Calenberger Autorenkreis

      

Berichte zu den vergangenen Lesungen im Jahr 2018

(die neuesten Berichte stehen am Anfang)


"Ja, das ist Köppels-Bleek" *

Am Sonntag, d. 11. November 2018 gab es im Heimatmuseum in Linderte eine Lesung zum Leben und Werk von Ernst Jünger. Friedrich Pape referierte über das Leben des umstrittenen Autors und Uwe Märtens, Cornelia Poser und Karla Kühn lasen Auszüge aus seinen Werken.

Ernst Jünger am Ende des 20. Jahrhunderts

Zeichnung von Otto Dix "In Stahlgewittern"

Das Leben von Ernst Jünger umfasste einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren. Er wurde 1895 geboren und starb 1998 mit 103 Jahren. Eindrücklich schilderte Friedrich Pape die Widersprüchlichkeiten, die im Lebenslauf und in der politischen Haltung des Autors im Laufe dieses langen Lebens zu finden sind. Eingefügt in diesen Lebensweg lasen Uwe Märtens einen Abschnitt aus dem Kriegstagebuchroman (1914-18) "In Stahlgewittern" und Cornelia Poser Auszüge aus "Auf den Marmorklippen". In diesem Werk beschreibt Ernst Jünger verschlüsselt und in einzigartigem Stil den Untergang einer freiheitlichen Gesellschaft durch eine heraufziehende Diktatur. Im zweiten Teil der Lesung hörte das Publikum, von Karla Kühn gelesen, die Kurzgeschichte "Die Eberjagd".

* In dem Roman "Auf den Marmorklippen" gab Ernst Jünger der grausamen Realität phantastische Namen. So hießen in ihm die Konzentrationslager der Nazizeit "Köppels-Bleek".

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"Ein Federgewicht Frieden ist besser als ein Eisengewicht Sieg"

Am Sonntag, d. 4.November 2018 lasen Mitgleider des Calenbreger Autorenkreises im Kunstkreis Laatzen aus dem Roman "Die Jüdin von Toledo" von Lion Feuchtwanger

Friedrich Pape gab eine kurze Einführung und die Schlussworte zu der Lesung

Uwe Märtens gab einen Überblick über das Leben und Werk von Lion Feuchtwanger

Karla Kühn führte in "Die Jüdin von Toledo" ein und Cornelia Poser las die Auszüge aus dem Roman

(Fotos Renate Folkers)

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"...denen zu sagen, wie es aussieht in mir..."

Am Montag, d. 22.Oktober 2018 las Cornelia Poser im Literaturkreis der Margaretengemeinde in Gehrden noch einmal über das Leben und Werk von Max Frisch

Viele interessierte Zuhörer waren gekommen. Cornelia Poser, die ihren Vortrag "Mein Max Frisch" nennt und ihn durch Bilder aus dem Leben des Autors veranschaulichte, erläuterte ihren ganz persönlichen Zugang zu Max Frisch und erzählte, wie seine Werke sie in ihrer Jugend geprägt haben. Sie las außerdem Ausschnitte aus den drei großen Romanen "Stiller", "Homo Faber" und "Mein Name sei Gantenbein", sowie aus der autobiografischen Erzählung "Montauk".


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Noch einmal der große B.B.

Diesmal las Uwe Märtens am Sonntag, d. 21. Oktober 2018 im Kunstkreis Laatzen. Das Pulikum strömte zahlreich und verfolgte gebannt den temporeichen und informativen Vortrag.

Die Lösung  von B. Brecht

Nach dem Aufstand des 17. Juni  /  Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands  /  In der Stalinallee Flugblätter verteilen /  Auf denen zu lesen war, daß das Volk  /  Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe  /  Und es nur durch verdoppelte Arbeit  /  Zurückerobern könne. Wäre es da  /  Nicht doch einfacher, die Regierung  /  Löste das Volk auf und  /  Wählte ein anderes?


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"Glotzt nicht so romantisch!"

Bei der Uraufführung von „Trommeln in der Nacht“ 1920 stand dieser Satz auf einem Plakat über der Bühne, direkt vor den Augen des Publikums.

Die Zuhörer in der Lütt - Jever - Scheune in Ronnenberg glotzten am 17. Oktober 2018 allerdings nicht romantisch, sondern hörten interessiert dem sehr informativen Vortrag von Uwe Märtens zum Leben und Werk Bertolt Brechts zu.

Brechts Einfluss auf die moderne deutsche Bühne ist unbestritten. Er etablierte als Regisseur und Autor das epische Theater und setzte neue Maßstäbe, indem er dem traditionellen Theater den Kampf ansagte. Er lehnte die Einfühlung des Zuschauers in die Leiden der Bühnenhelden ab. Er setzte durch neue theatralische Strukturen das Publikum in eine desillusionierende Distanz zum Geschehen auf der Bühne und wünschte sich idealtypisch einen Zuschauer, der das Geschehen kritisch betrachtet und sich nicht in dem Gezeigten verliert, also „romantisch zu glotzen“ beginnt.

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"Wer früher stirbt ist länger tot..."

Gut besucht waren beide Lesungen über die "Medizynischen Betrachtungen", sowohl die am 18. September 2018 in der "Arche" in Laatzen, wie auch die am 20. September bei "Petrus miteinander" in Barsinghausen.

Dr. Dietmar Weiß

Dr. Weiß, zu Gast bei den Calenberger Autoren, las dabei aus seinen Erinnerungen u.a. über die Entwicklung der medizinischen Versorgung in den Nachkriegsjahren und berichtet auch schonungslos  und durchaus medizynisch über die Arbeitsbelastung eines Landarztes, der seinen Beruf wirklich ernst nimmt. Friedrich Pape beschrieb in einem seiner Texte die unvorhersehbaren Folgen der plastischen Chirurgie, führte den Zuhörer in die Wissenschaft der Pseudologie ein und ließ uns mit einem, der Schluckauf hat und den nicht wegbekommt, mitleiden. Die Gäste amüsierten sich bei Wein, Sekt und Lakritzkonfekt!

 

Friedrich Pape

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Und wieder "Keen Utweg..."

Noch einmal las Renate Folkers am Sonntag, den 16.09.2018, diesmal im Heimatmuseum in Linderte, aus ihren drei bisher veröffentlichten Küstenkrimis: "Der Tote hinterm Knick", "Keen Utweg" und "Ein Grab auf Sylt". Die zahlreich erschienenen Zuhörer lauschten gespannt, kicherten ab und zu, schauten verwirrt oder fragend und manch einem standen bei der ein oder anderen Schilderung die Nackenhaare zu Berge. Sollten Frauen grundsätzlich nur noch Küchenmesser mit rotem Griff kaufen? Was ist im plattdeutschen Kofferraum des Autos versteckt? Wer hat die Dessous von Britta im Schlafzimmer durchwühlt? Warum rennt ein Kommissar unruhig im Café Niederegger um die Tische herum? Und welches ist die einzige Methode, einen Stalker loszuwerden? All diese Fragen standen im Raum und wurden von der Autorin komplett beantwortet... na gut, nicht ganz... also, nur so halb... oder fast gar nicht... denn schließlich soll es ja spannend bleiben, wenn wir Renates Bücher kaufen und lesen!

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Noch ein Mensch...


Am Sonntag, den 22. Juli 2018 stellte Uwe Köster  (diesmal im Kunstkreis in Laatzen) noch einmal das Leben und Werk von Eugen Roth vor.

Es ist erfrischend, in den Büchern von Eugen Roth zu stöbern und insbesondere seine Gedichte zu lesen. Das Münchner Urgestein hat die Weimarer Republik sowie das Dritte Reich überstanden und noch lange in der neugegründeten Bundesrepublik gelebt. 1935 erschienen erstmalig seine „Ein-Mensch-Gedichte“, die den Autor sozusagen über Nacht zum erfolgreichen Dichter machten. Uwe Köster hielt in seiner ganz persönlichen Art einen launigen und kurzweiligen Vortrag, gespickt mit vielen Gedichten und einigen Prosatexten.  


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"Ich bin nicht Stiller..."

Am Donnerstag, den 12. Juli 2018 hielt Cornelia Poser noch einmal ihren Vortrag "Mein Max Frisch", diesmal in der Parkresidenz in Hamburg Rahlstedt. Viele sehr interessierte Seniorinnen und Senioren waren gekommen und ließen sich mitnehmen auf die literarische Reise in das Leben und Werk des Schriftstellers. Cornelia Poser las unter anderem aus seinen drei Romanen "Stiller", Homo Faber" und "Mein Name sei Gantenbein" und aus seiner autobiagrafischen Erzählung "Montauk".


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Stell dir vor...

...wir hatten unsere "Sommerlesung" am Sonntag den 17. Juni 2018 - und zwar genau zu der Zeit, als die deutsche Fußballmannschaft in Russland irgendetwas versuchte und leider gar nichts erreichte! Wir Calenberger Autoren hingegen konnten wirklich viel erreichen, nicht nur unsere Zuhörer, von denen deutlich mehr kamen, als wir uns erst gedacht hatten.

Im Garten der Familie Kühn in Linderte wurden wir nicht nur prächtig unterhalten und kulinarisch versorgt, sondern auch noch kräftig vom Wind, der vom Deister her über unsere Köpfe hinwegsauste, durchgepustet.

Die Zuhörer hatten viel Freude an den Prosatexten und Gedichten der Calenberger Autoren, die diesmal von Friedrich Pape, Renate Folkers, Karla Kühn und von Uwe Köster vorgetragen wurden. Uwe Märtens moderierte in bewährt souveräner Art, während Cornelia Poser sich darum kümmerte, unsere neue Anthologie an den Mann und die Frau zu bringen.

Der ganz besondere Dank aller Beteiligten Calenberger Autoren gilt wieder Karla und Joachim Kühn, die alles so wunderbar organisiert hatten - aber auch der Leitung des Heimatmuseums Linderte Frau Hildebrand, die ihre Tische und Bänke zur Verfügung stellte.

Uwe Märtens moderierte alles in gewohnt launiger Art.

Die Zuhörer - gut durchgepustet

Die Gastgeberin im Plausch mit Zuhörern

Nach der Lesung in gemütlicher Würstchen-Kartoffelsalat-Runde


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3 x Keen Utweg ???

Am Sonntag, d. 27. Mai 2018 trafen sich bei Hochsommerwetter ausreichend unermüdliche Zuhörer im Kunstkreis Laatzen, um der Lesung von Renate Folkers zu lauschen.

Drei Ihrer bisher veröffentlichten Küstenkrimis hatte Renate Folkers mitgebracht. In "Der Tote hinterm Knick" führte die Autorin die Zuhörer zunächst kräftig in die Irre, denn die Ehefrau des Ermordeten hatte ein schriftliches aber falsches Geständnis verfasst, ehe sie sich selbst auch noch umbrachte und man ahnte als Zuhörer, dass da alles irgendwie nicht stimmte. Die Geschichte spielte zwischen Husum und Hamburg, mal hier mal dort und es starben noch ein paar Leute mehr, glaube ich. Alles war sehr verwirrend und ich muss das Buch jetzt wirklich lesen, damit ich weiß, was los ist. Aus dem zweiten Küstenkrimi "Keen Utweg" las die Autorin dann nach der Pause Passagen in echtem Plattdeutsch. Das machte sie ganz wunderbar, in ausdrucksvoller Sprache und eindeutiger Gestik, so dass auch der zuhörende Niedersache wirklich alles verstehen konnte. Zu guter Letzt durften wir noch in "Ein Grab auf Sylt" schauen, in dem sich ein Stalker und eine Psychopatin ein nicht immer erfrischendes Horrorspiel boten. Alles in Allem war diese Lesung sehr gelungen und machte Lust auf mehr Meer, auf mehr Küstenkrimis und auf mehr Plattdeutsch!


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Mit Max Frisch ist man nie am Ende!

Am Sonntag, den 13. Mai 2018 stellte Cornelia Poser  im Heimatmuseum in Linderte ihren neuen Vortrag vor: "MEIN MAX FRISCH"

Volker Weidermann: "Mit Max Frisch ist man nie am Ende. Das ist der Zauber seines Werkes. Er hat sich immer wieder neu erfunden, hat die Beweglichkeit seines Denkens, die Zweifel an sich selbst in seine besten Bücher immer mit hineingeschrieben. Das hält sie lebendig. Das macht sie modern. Max Frisch ist bis heute einer der modernsten Autoren der deutschsprachigen Literatur geblieben."

Wer kennt seinen Namen nicht? Wer hat nicht Andorra oder Biedermann und die Brandstifter in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts im Theater gesehen? Cornelia Poser stellte dem Publikium im Heimatmuseum in Linderte ihren ganz persönlichen Max Frisch vor. Sie berichtete unter anderem, wie dieser Autor ihr jugendliches Denken vor fünfzig Jahren geprägt hat. Sie schilderte seinen Werdegang vom Journalisten der Neuen Züricher Zeitung zum weltberühmten Autor der Romane Stiller, Homo Faber, Mein Name sei Gantenbein, auf die sie besonders einging. Sie fasste die Themen und Inhalte dieser Romane zusammen, las Ausschnitte daraus und ließ Max Frisch durch seine Tagebücher und seine autobiografische Erzählung Montauk lebendig werden.





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Im Norden der Grafschaft Ruppin...

Am Sonntag, den 15. April 2018 fand eine szenische Lesung des mit  Dialogen aus dem Roman von Theodor Fontane "Der Stechlin" im Kunstkreis Laatzen statt.

...hart an der mecklenburgischen Grenze, zieht sich von dem Städtchen Gransee bis nach Rheinsberg hin, und noch darüber hinaus, eine mehrere Meilen lange Seenkette durch eine menschenarme, nur hie und da mit ein paar alten Dörfern, sonst aber ausschließlich mit Förstereien, Glas- und Teeröfen besetzte Waldung. Einer der Seen , die diese Seenkette bilden, heißt der Stechlin...

So beginnt die Erzählung in der wunderbar ruhigen Sprache Theodor Fontanes. Wir Calenberger Autoren lasen an diesem Nachmittag - und alle waren dabei - typische und kurzweilige Dialoge zwischen Dubslav von Stechlin und seinen ihn umgebenden Freunden und Verwandten.  Das Publikum amüsierte sich und hörte sehr interessiert zu.

Impressionen von der Lesung

Friedrich Pape las die verbindenen Texte

Monika Gorbuschin begrüßte das Publikum

Dubslav v. Stechlin und Engelke

Dubslav v. Stechlin und Graf Barby

Dubslav v. Stechlin und Pastor Lorenzen

Dubslav v. Stechlin und seine Schwester


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Medizynische Betrachtungen 

Am Sonntag, den 11. März 2018 lasen Dr. Dietmar Weiß vom Kunstkreis Laatzen und Friedrich Pape im Heimatmuseum in Linderte eigene Werke vor.

Dr. Dietmar Weiß, ehemaliger Landarzt in Gronau bei Alfeld, las trotz Gallenkollik (auch Ärzte können mal krank werden!), ließ uns an seinen "Medizynischen Betrach-tungen" teilhaben und Friedrich Pape gab mit seinen Kurzge-schichten satirische "Kommentare aus der Sicht des Patienten" dazu. Zusammen ergab alles eine wunder-bar abwechslungsreiche Mischung, bei der sich die Zuhörer schmun-zelnd und manchmal kopfschüttelnd amüsieren konnten.

Dr. Dietmar Weiß las aus seinen Erinnerungen nicht nur über die Entwicklung der medizinischen Versorgung in den Nachkriegsjahren, als Entscheidungen noch nach dem gesunden Menschenverstand getroffen wurden, sondern berichtete auch kritisch über die Arbeitsbelastung des Arztes, wenn er seinen Beruf denn erst nimmt, über Budgetierung, Zuzahlungen und den Sinn oder Unsinn von Vorsorgeuntersuchungen. In Friedrich Papes erster Kurzeschichte ging es um die Verunstaltung des Gesichtes durch das Alter oder den Plastischen Chirurgen, je nachdem von welcher Seite man es betrachtet. Ebenfalls durften wir einem Pseudologen lauschen, der eigentlich ein Haarschneider war und erfahren, woher Schluckauf kommen kann.


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Irmgard Keun: Was ist der Ernst des Lebens? 

Am Samstag, d. 10. März 2018 las Cornelia Poser beim sogenannten Frauenfrühstück in Barsinghausen noch einmal aus dem Leben und Werk der Schriftstellerin Irmgard Keun

Fünfzig sehr interessierte Frauen lauschten nach ihrem Frühstück dem Vortrag von Cornelia Poser, die noch einmal über die Höhen und Tiefen der Autorin sprach und Auszüge aus dem "Kunstseidenen Mädchen" las, aber auch Abschnitte aus dem Buch "Das Mädchen mit dem die Kinder nicht verkehren durften", sowie aus Irmgard Keuns wohl wichtigstem Roman "Nach Mitternacht". Der hinterher angebotene Büchertisch der örtlichen Buchhandlung wurde komplett leergekauft. Und so kann man nur hoffen, dass dieser Vortrag dazu führt, dass die Romane von Irmgard Keun wieder in aller Munde sind.


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Die Lyriker Georg Heym und Georg Trakl

Am Montag, den 26. Februar 2018 waren wir wieder zu Gast im Literaturkreis der Margaretengemeinde in Gehrden. Friedrich Pape stellte dort Leben und Werk der beiden Lyriker Georg Trakl und Georg Heym vor.

Georg Trakel und Georg Heym, beide 1887 geboren, der eine 1912 bei dem Versuch, einen Freund zu retten, im Eis des Wannsees eingebrochen und gestorben, der andere 1914 zu Beginn des 1. Weltkrieges durch die grausamen Erlebnisse im Feldlazarett in den Selbstmord getrieben, gehörten zu den wichtigsten Lyrikern des frühen Expressionismus zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Friedrich Pape schilderte in seinem zweiteiligen Vortrag beider kurze Leben und trug ihre Gedichte eindrucksvoll vor.

 



Georg Heym
Herbst

Die Faune treten aus den Wäldern alle,
Des Herbstes Chor. Ein ungeheurer Kranz.
Die Hände haltend, springen sie zum Schalle
Der Widderhörner froh zu Tal im Tanz.

Der Lenden Felle schüttern von dem Sturze,
Die weiß und schwarz wie Ziegenvlies gefleckt.
Der starke Nacken stößt empor das kurze
Gehörn, das sich aus rotem Weinlaub streckt.

Die Hufe schallen, die vom Horne starken.
Den Thyrsus haun sie auf die Felsen laut.
Der Paian tönt in die besonnten Marken,
Der Brustkorb bläht mit zottig schwarzer Haut.

Des Waldes Tiere fliehen vor dem Lärme
In Scharen flüchtig her und langem Sprung.
Um ihre Stirne fliegen Falterschwärme,
Berauscht von ihrer Kränze Duft und Trunk.

Sie nahn dem Bache, der von Schilf umzogen
Durch Wiesen rauscht. Das Röhricht läßt sie ein.
Sie springen mit den Hufen in die Wogen
Und baden sich vom Schlamm der Wälder rein.

Das Schilfrohr tönt vom Munde der Dryaden,
Die auf den Weiden wohnen im Geäst.
Sie schaun herauf. Ihr Rücken glänzt vom Baden
Wie Leder braun und wie von Öl genäßt.


Georg Trakl
Geistliche Dämmerung

Stille begegnet am Saum des Waldes
Ein dunkles Wild;
Am Hügel endet leise der Abendwind,

Verstummt die Klage der Amsel,
Und die sanften Flöten des Herbstes
Schweigen im Rohr.

Auf schwarzer Wolke
Befährst du trunken von Mohn
Den nächtigen Weiher,

Den Sternenhimmel.
Immer tönt der Schwester mondene Stimme
Durch die geistliche Nacht.


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