Calenberger Autorenkreis

      

Berichte zu unseren vergangenen Lesungen in 2019

(die neuesten Berichte stehen zuerst)


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Über allen Gipfeln ist Ruh???

Am Sonntag, d. 8. September 2019 hielt Friedrich Pape anlässlich des 270. Geburtstages von Johann Wolfgang von Goethe einen Vortrag im Kunstkreis Laatzen.

Aber wie denn heute noch über Goethe referieren? Über den größten aller deutschen Dichter, über den eigentlich schon alles gesagt und geschrieben worden ist? Friedrich Pape nahm das Publikum im Laatzener Kunstkreis auf eine Lebensreise in die Weimarer Klassik mit, die nicht nur Lebens- und Werkdaten des Genies enthielt sondern auch das ein oder andere eher unbekannte Charakterdetail des Dichters. Auf den Raststationen dieser Reise trug Friedrich Pape Gedichte vor, nicht etwa ablesend, sondern frei referierend. Eine zu bewundernde Leistung!! Er habe dieses Literaturgedächtnis seinem früheren Lehrer zu verdanken, sagte Friedrich Pape nach der Lesung im Gespräch. Schon in der nächsten Schülergeneration, wurde dem Auswendiglernen von Gedichten kaum noch Bedeutung beigemessen. Im Vortrag konnte das Publikum erleben, wie mitreißend dieses verlorengegangene Können heute noch wirken kann.

Zum Schluss bekamen die Zuhörer noch ein „Bonbon“, wie Friedrich Pape selbst sagte: Die Literaturgeschichte wirbele in neuester Zeit die vertraute Sicht auf Werk und Leben des Meisters auf, denn man habe herausgefunden, dass es offensichtlich eine Liebesbeziehung zwischen Goethe und der Herzogin Anna Amalia gegeben habe. Freifrau Charlotte von Stein sei dabei lediglich eine Strohdame gewesen, damit das Verhältnis nicht öffentlich wurde.

Johann Wolfgang v. Goethe

 Auch die bekannten Briefe an sie seien eigentlich an Anna Amalia geschrieben worden. Die Wahrheit über diese Liaison hätte im Weimer der damaligen Zeit sicherlich einen veritablen Skandal ausgelöst und Goethe sämtliche Ämter gekostet.  So lernen wir selbst heute immer wieder dazu und müssen beiseite legen, was wir zu wissen glaubten.                                       

Herzogin Anna Amalia

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Hochsommerlesung bei 35 ° im Schatten

Am Sonntag, d.30. Juni 2019 gab es unsere jährliche Sommerlesung - dieses Mal bei brütender Hitze im Museum in Linderte

Es war wirkich sehr, sehr heiß, das wollen wir gleich einmal vorweg sagen und uns bei all denen bedanken, die sich trotzdem auf den Weg gemacht haben, um unseren Texten und Gedichten zu lauschen. Wir waren diesmal auch froh über unsere langfristige Entschei-dung, die Lesung nicht in einem Garten zu machen..., denn draußen glühte die Sonne heiß vom wolkenlosen Himmel und nur die Aussicht auf etwas Wind, den der Wetterberichte für den Nachmittag angekündigt hatte, ließ unsere Fans überhaupt aus ihren Häusern kriechen und sich auf den Weg nach Linderte machen. Wer keine Klimaanlage im Auto hatte, brauste bei weit geöffneten Seitenfenstern durch das Calenberger Land oder öffnete gleich das ganze Dach. Mancher kam daher etwas zerzaust an. Und alle, die es vorgehabt hatten, kamen auch und waren guter Dinge. Das kleine Museum war tatsächlich fast bis auf den letzten Platz gefüllt war. Bei Kaffee, viel Mineralwasser und leckerem Kuchen lauschten die Zuhörer der - wie immer - lockeren Moderation von Uwe Märtens.

Karla Kühn las als Erste zwei ihrer Kurzgeschichten: So ein Tag, so wunderschön wie heute, eine Kneipenbegebenheit und Der Atlantik, beide Geschichten mit Fragen am Ende, die der Zuhörer sich gerne selbst beantworten konnte. Friedrich Pape trug eine Episode aus dem Leben August v. Kotzebues vor, die den Titel Zwischen den Stühlen hatte und las seine Kurzgeschichte Teppichpflege. Nach der Pause, in der manch einer vor Hitze nicht so recht wusste wohin und wir alle Klappfenster aufrissen, um den warmen Wind hereinzulassen, erfreute uns Uwe Köster mit seinen Gedichten In der Oper, Wanderbaustelle, Zahnärztelied ("...mit sieben Brücken musst du geh'n..."), Handytelefon, sowie mit seinen kurzen Texten Rücken - Reha - Internet, Überraschung und Brief mit schwarzem Rand. Den wunderbaren Abschluss der Lesung bildeten Renate Folkers' Texte. Erstens Testosteron, Libido und ein bisschen DADA, zweitens ihre plattdeutsche Geschichte As'n Droom und drittens ihr Text Über Heimatliebe. Zünftig wurde der Nachmittag mit Würstchen, Kartoffelsalat, Bier und sehr anregenden Gesprächen beendet und unsere Zuhörer in die Sommerpause entlassen.

Karla Kühn

Friedrich Pape

Uwe Köster

Renate Folkers


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Von schneeweißen Zeburindern und schwatzenden Papageien

Am Mittwoch, d. 5. Juni 2019 las Jörg Hartung bei den Aktiven Seniorinnen der Versöhnungsgemeinde Weetzen Geschichten aus seinem "Südamerikanischen Tagebuch“

Sozusagen aus dem Ärmel schüttelte Jörg Hartung an diesem Morgen seine Geschichten, denn der Beamer, der ihn eigentlich bildhaft unterstützen sollte, wollte nicht so recht mitmachen. Als versierter Redner juckte das Jörg Hartung aber kaum. Er wandte sich ab von den unzuverlässigen technischen Geräten und plauderte munter drauf los, über seine Berufstätigkeit als Professor der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die ihn immer wieder in viele Teile der Erde führt und ihn ungewöhnliche Abenteuer erleben, aufschreiben und uns mitbringen lässt. So las, beziehungsweise erzählte er Geschichten und Gedichte aus seinem sogenannten "Südamerikanischen Tagebuch". Die gebannt lauschenden Zuhörerinnen hörten so mach lustige, romantische oder auch traurige Begebenheit. Die Damen dankten es dem Autor und Erzähler mit viel Applaus und einem Frühstück.


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Bitte, Anders... hörst du mich nicht?

Am Dienstag, d. 28. Mai 2019 stellte Cornelia Poser ihr gerade erschienenes Buch ECHSENKÖNIG im ZAK (Zentrum für Autismus-Kompetenz Hannover) vor.

 

ECHSENKÖNIG ist nicht nur ein Roman für Kinder und Jugend-liche. Im Zentrum für Autismus-Kompetenz fand sich eine kleine Gruppe durchaus nicht jugendlicher Zuhörer zusammen, die der Geschichte von Anders, dem Jungen mit Autismus und Janne, dem Mädchen, das sich sehnlichst wünscht, das dieser Anders ihr Freund wird, interessiert lauschten. Eine Zuhörerin sagte nach der Lesung, sie habe in diesen zwei Stunden mehr über Autismus gelernt, als in ihrem ganzen Leben davor.


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Franz Werfel hat uns eine Seele gegeben

Am Sonntag, d 26. Mai 2019 lasen Friedrich Pape und Karla Kühn im gut besuchten kleinen Heimatmuseum in Linderte aus Franz Werfels  historischem, atemberaubendem und erschütterndem Roman "Die 40 Tage des Musa Dagh"

Alma Mahler und Franz Werfel nach ihrer Emigration

Das Skizzelbuch Werfels zum Roman

Zusammen mit seiner Frau Alma reiste Franz Werfel im Jahr 1929 über Kairo und Jerusalem nach Damaskus. Sie ließen sich von einem Führer die Stadt zeigen und sahen die wunderbaren Moscheen und auch die neuen Kaufhäuser. Bei dem Besuch der größten Teppichweberei der Stadt, sahen sie auf dem Gelände überall ausgehungerte Kinder, die Hilfsarbeiten verrichteten. Als sie den Fabrikanten nach den Kindern fragten, sagte dieser: „Ach diese armen Geschöpfe, die klaube ich auf der Straße auf und gebe ihnen zehn Piaster pro Tag, damit sie nicht verhungern. Es sind die Kinder der von den Türken erschlagenen Armenier. Wenn ich sie hier nicht beherberge, verhungern sie, und niemand kümmert sich darum. Leisten können sie ja nicht das geringste, sie sind zu schwach dazu“. Das Schicksal der Armenier im Jahr 1915 bewegte den Autor so sehr, dass er noch auf der Reise erste Ideen zu einem Roman niederschrieb. Um mehr über die historischen Details zu erfahren, ließ er sich die Protokolle aus dem Pariser Kriegsministerium über die türkischen Gräuel aus dieser Zeit zusenden.  Der Roman entstand 1932/33. Aber schon kurz nach seiner Veröffentlichung wurde er verboten. Werfel selbst wurde noch im Entstehungsjahr des Romans aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen. Dagegen wurde der Roman von den im Exil lebenden Armeniern mit Begeisterung aufgenommen. 1936 wurde Werfel in New York von den dort lebenden Armeniern gefeiert. Ein Priester sagte in seiner Predigt: „Wir waren eine Nation, aber erst Franz Werfel hat uns eine Seele gegeben.“

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Das war ein Schuß!  Davon wird man noch reden in den spätsten Zeiten...

(Friedrich Schiller: Wilhelm Tell / 3. Akt)

Am Sonntag, den 19. Mai 2019 hielt Jörg Hartung im Kunstkreis Laatzen einen "Geburtstags-Vortrag" (260 Jahre) über das Leben und Werk von Friedrich v. Schiller

Jörg Hartung in seinem Element


Eine begeisterte Zuhörerstimme: "Das war mal wieder ein echter Professor-Jörg-Hartung-Vortrag! Charmant, leicht auf das Lesepult gebeugt, die Brille auf der unteren Nasenspitze tragend, die Augen darüber in den Raum blickend, lose Blätter vor sich liegend, kurz  darauf blickend und wieder frei sprechend und immer wieder eigene Gedanken, die ihm so spontan in den Kopf kamen, vortragend. So erlebten wir ihn. Er sprach über Friedrich Schiller in einer ganz besonderen Ausführung, über dessen Leben, dessen Werk, aber nicht so wie gewohnt. Es war sehr unterhaltsam und sehr interessant." (K.Kühn)


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Standhalten dem Augenblick

Am Sonntag, d. 28. April 2019 stellte Cornelia Poser noch einmal ihren Max Frisch vor, diesmal im Kunstkreis Laatzen in Laatzen-Rethen.

In der Kullisse der Ausstellung eindrucksvoller Kunstwerke des senegalesischen Künstlers Lune Ndiaye las Cornelia Poser noch einmal über Leben und Werk von Max Frisch und zeigte dazu auf Leinwand auch Bilder aus dem Leben des Autors. Sie erzählte von ihrem sehr persönlichen Bezug zu Max Frisch und seinem Werk, schilderte, wie er sowohl ihr Denken, wie auch das vieler junger Menschen in den Sechszigerjahren beeinflusst hat. Sie stellte die drei Roman "Stiller, "Homo Faber" und "Mein Name sei Gantenbein" vor und zitierte aus Max Frischs Tagebüchern, sowie seiner Erzählung "Montauk".

Das einzige Gedicht von Max Frisch

Cornelia Poser referiert vor einem Bild des Künstlers Lune Ndiaye


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Vielleicht fällt Regen doch von unten nach oben...

Am Donnerstag, d. 21. März 2019 trafen sich viele interessierte Zuhörer im Bücherhaus am Thie in Barsinghausen, um an einigen Stationen aus dem Leben von Bertolt Brecht unter dem Titel "Glotzt nicht so romantisch" teilzuhaben.

Uwe Märtens, der schon zum dritten Mal über Bertolt Brecht referierte und es jedes Mal ein klein wenig anders, aber immer locker, interessant und auch amüsant gestaltet, präsentierte diesmal unter anderem viele Gedichte des Autors, führte in die Stücke "Baal", in den "aufhaltsamen Aufstieg des Arturo Ui", in die "Dreigroschenoper", sowie in das Theaterstück "Der gute Mensch von Sezuan" ein. Die Veranstaltung in der schönen, großen Buchhandlung in Barsinghausen war sehr gut besucht und alle begeistert.

Das Vielleicht-Lied 

(Bertolt Brecht)

Vielleicht vergeht uns so der Rest der Jahre,
Vielleicht vergehn die Schatten, die uns störten,
Und die Gerüchte, die wir kürzlich hörten,
Die finster waren, waren nicht das Wahre!
Vielleicht, dass sie uns noch einmal vergessen,
So wie wir gern auch sie vergessen hätten?
Wir setzen uns vielleicht noch oft zum Essen.
Vielleicht sterben wir noch in unseren Betten?
Vielleicht, dass sie uns nicht verdammen, sondern loben?
Vielleicht gibt uns die Nacht sogar das Licht her,
Vielleicht bleibt dieser Mond einst  voll und wechselt nicht mehr?
Vielleicht fällt Regen doch von unten nach oben?
Vielleicht fällt Regen doch von unten nach oben!


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Nur-für-Männer

Am Mittwoch, d 21. März 2019 gab es noch einmal die Lesung "Medizynische Betrachtungen mit Dr. Dietmar Weiß und Friedrich Papa im Küsterhaus Johannes in Nordstemmen bei der Gruppe "NurfürMänner"

Wie aber schreibt man als Frau, die nicht geladen und zugegen war, weil die Veranstaltung eben "nur für Männer" war, einen Bericht über das Ereignis? Garnicht? Das wäre schade! Also versuche ich es mir vorzustellen, aber es gelingt mir nicht gut... Wahrscheinlich waren so ungefähr zwanzig Männer dort, ich schätze mal, fast alle über fünfzig. Aber was wurde an Getränken gereicht? Bier? Oder doch nur Alkoholfreies, gab es Knabberzeug oder Lakritzbonbons? Gab es Zwischenfragen? Wurde gelacht? War man amüsiert? Oder sind einige schon in der Pause gegangen? Hat man sich am Schluss Männerwitze erzählt? Fehlten die Frauen vielleicht doch? Wurden die Vortragenden beklatscht und aufgefordert wiederzukommen? Waren sie selbst zufrieden? Fragen über Fragen, aber keine Anworten... Ich sollte mich deshalb lieber an die sicheren Fakten halten, die ich aus den vorhergegangenen Lesungen unter diesem Thema kenne und bei denen ich dabei war:

Dr. Dietmar Weiß, Arzt im Ruhestand, Mitglied im Kunstkreis Laatzen und heute zu Gast bei den Calenberger Autoren, las aus seinen Erinnerungen unter anderem über die Entwicklung der medizinischen Versorgung in den Nachkriegsjahren und berichtete auch schonungslos  und durchaus medizynisch über die Arbeits-belastung eines Landarztes, der seinen Beruf wirklich ernst nimmt. Friedrich Pape ergänzte diese Berichte mit literarischen Bonbons. Er erzählte zum Beispiel in einem seiner Texte über die unvorher-sehbaren Folgen der plastischen Chirurgie, führte den Zuhörer in die Wissenschaft der Pseudologie ein und ließ uns mit einem, der seinen Schluckauf nicht los wurde, mitleiden.

ACHTUNG! P.S.: Mein männlicher Spion hat mir auf verschlungenen Wegen nun doch ein paar Informationen zukommen lassen: Es waren an dem Abend mehr als fünfzig Männer zum Vortrag dort und es gab Schlachteplatte!!!

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Alfonso und die Fermosa

Am Sonntag, d 17. März 2019 lasen Uwe Märtens, Karla Kühn und Cornelia Poser im vollbesetzen kleinen Heimatmuseum in Linderte Texte von Lion Feuchtwanger aus dessen "Jüdin von Toledo". Friedrich Pape hatte das Konzept erstellt und sprach einführende und abschließende Worte.

Wir Calenberger Autoren setzen uns auch dafür ein, dass bedeutende Autoren nicht vergessen werden. Um auf jene große Romane neugierig zu machen, die leider kaum noch aufgelegt werden, tragen wir neben eine Kurzbiografie des Autoren Ausschnitte aus seinem Werk vor. Die 1955 erstmalig erschienene "Jüdin von Toledo" ist die beeindruckenste Erzählung Lion Feuchtwangers. Er hat viel Sorgfalt auf die historische Recherche verwandt. Die Protagonisten sind, wie er selbst, Juden. Die Erzähung ist sehr facettenreich. In unserer Lesung beschränkten wir uns deshalb auf die Beziehung des Königs Alfonso zu seiner Geliebten Raquel, die vom Volk auch Fermosa, die Schöne, genannt wird.



Zum Inhalt der Erzählung: Spanien im 12. Jahrhundert. Jehuda Ibn Esra steht im Dienst des kastilischen Königs Alfonso, um dessen zerrüttete Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. Durch sein umsichtiges Walten kommt die Wirtschaft des Landes wieder in Blüte. Alfonso lässt sein Schloss Galiana im maurischen Stil restaurieren. Er lernt Jehudas Tochter Raquel kennen und ist von der klugen und selbstbewussten Frau fasziniert und auch Raquel verliebt sich in den König. Zukünftig soll sie als dessen Nebenfrau mit ihm in der Galiana wohnen. Raquels Vater Jehuda fügt sich, denn er hat nur die Wahl, dem Verlangen des Königs zu entsprechen oder mit seiner Familie zu fliehen. Das Paar lebt in der Galiana und Alfonso vernachlässigt seine Ehefrau Elenor. Raquel bringt einen Sohn zur Welt. Alfonso will seinen Sohn taufen lassen, was Jehuda und auch Raquel ablehnen. Als der König zu Kriegsvor-bereitungen nach Burgos eilt, zieht Jehuda zu Raquel in die Galiana. Sie lassen den kleinen Immanuel von einem Freund fort und in Sicherheit bringen. Damit ist eine christliche Taufe unmöglich. Alfonso rast bei seiner Rückkehr vor Wut, er verlässt Raquel im Zorn und lässt die moslemischen Gesandten in Toledo, welche noch friedlich vermitteln wollen, grob abfertigen. Er fordert den Kalifen heraus. Nach der Schlacht bei Alarcos wird Toledo von Flücht-lingen überschwemmt. Es gehen Gerüchte, die Juden hätten den Moslems die christlichen Kriegspläne verraten. Die Wut des Pöbels richtet sich zunächst gegen Jehudas Castillo, das vollkommen verwüstet wird. Jehuda und Raquel wiegen sich im Schloss des Königs dagegen in Sicherheit.  Castro erhält von Elenor, der rechtmäßigen Ehefrau Alfonsos einen listigen Auftrag. Um angeblich nicht alle Juden zu gefährden, sollen nur einzelne vernichtet werden. Castro dringt darauf mit seinen Leuten in der Galiana ein und erschlägt Jehuda. Wenige Minuten später wird auch Raquel ermordet. Nach seinen Niederlagen und dem Verlust seiner Geliebten Raquel, wandelte sich Alfonso und führte sein Land ganz im Sinne Jehudas.

 

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Stell dir vor DAS wäre dir passiert

Am Freitag, d. 1. März 2019 lasen wir Calenberger Autoren  in der wunderschönen Kulturscheune in Ihme-Roloven. Der Vorsitzende des Scheunenvereins, Herr Hüper, begrüßte die Gäste, die danach unseren Prosatexten und Gedichten lauschten.

 

Die Kulturscheune in Ihme-Roloven ist ein schöner und sehr gemütlicher Leseort, den es sich wirkloch lohnt zu besuchen, mit warmem Licht, Fachwerk und im Winter bullerndem Holzofen! Leider war der Besuch an diesem Abend etwas schütter, aber die Zuhörer, die gekommen waren, gaben uns Autoren ein durchaus positives Feeback. Es kommt nicht allzu oft vor, dass tatsächlich fast alle Mitglieder unseres Kreises sich an einem Ort und zur selben Zeit präsentieren können. Diesmal aber haben wir es fast geschafft. Zu sechst kamen wir und jeder von uns las und stellte sich in seiner ganz persönlichen Schreibe vor. Dazu gab es guten Wein und andere leckere Getränke. Uwe Märtens, der auch den Abend souverän und locker moderierte, ließ die Zuhörer an seiner "Angst vorm weißen Blatt" teilhaben und führte sie durch seine "Bilder ohne Ausstellung", Karla Kühn berichtete vom Schicksal des "Clowns Freddy", Jörg Hartung las aus seinem "Kubanischen Tagebuch", Friedrich Pape erzählte, wie er listenreich, durch das Aussetzen des "Juchtenkäfers" im eigenen Garten, seine Bäume erhalten konnte und las einige Naturgedichte. Renate Folkers präsentierte sich in Extremen, einmal in einem sehr ernsten Text über Sucht mit dem Titel "Katz und Maus" und mit ihrem launigen Gedicht "Die Reise nach Hannover". Und Cornelia Poser stellte ihre etwas skurrile Kurzgeschichte "Irmgards Handschuh" vor.

 

Gastgeber Herr Hüper

Die Calenberger Autoren während der Lesung

Uwe Märtens

Karla Kühn

Jörg Hartung

Renate Folkers

Friedrich Pape

Cornelia Poser

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Preisverleihung des 9. Jugendschreibwettbewerbes in Laatzen

Am Sonntag, d. 17. Februar 2019 fand die feierliche Preisverleihung zum Jugenschreibwettbewerb des Kunstkreises Laatzen statt. Monika Gorbuschin, unermüdliche Vorsitzende des Laatzener Kunstkreises, begrüßte die Preisträger und die Zuhörer und Bezirksbürgermeister Jürgen Köhne überreichte die Preise.

Die stolzen Preisträger/innen von links nach rechts, hinten: Kaspar Anneus Lübbert (1.Preis), Marie Lindert (3. Preis), Alischa Rana (2. Preis), Florian Elbrandt (1.Preis), Elisabeth Girmann (2. Preis) - vorne: Dana Marina Löhlein (Preis der Calenberger Autoren), Mathilda Mittendorf (4. Preis), Juliana Elbrandt (3. Preis)

 

"Worte so zusammenfügen, dass sie Sinn ergeben, vielleicht eine ganze Geschichte erzählen und dann in gedruckter Form jedem Menschen zugänglich werden - ja davon träumen alle, die gern Texte verfassen." So steht es im Vorwort des Taschen-buches mit den Siegerbeiträgen. Dreiundzwanzig Schülerinnen und Schüler hatten in diesem Jahr am Wettbewerb teilgenommen und es der sechs-köpfigen Jury nicht leicht gemacht. Alle Texte waren sehr lesenswert und gut! So vergab die Jury in den beiden Kategorien (8 bis 13 Jahre und 14 bis 18 Jahre) jeweils 4 Preise und dazu den Sonderpreis der Calenberger Autoren. So konnten wenigsten neun junge Autoren ausgezeichnet werden.  Ganz beson-ders freuten wir uns diesmal aber, dass der Verlag Ganymed Edition auf uns zugekommen war und in Windeseile zum Tag der Preisverleihung ein Taschenbuch mit allen Siegerbeiträgen unter dem Titel Die Welt von heute & morgen herausgebracht hat. Dieses Büchlein ist nun offiziell auch im Handel erhältlich. Hier bestellen!  Bezirksbürgermeister Herr Köhne war von der Lesung so angetan, dass er sofort vom anwesenden Verleger Andreas Brandtner ein paar Exemplare kaufte.

 

Florian Elbrandt - 1. Preis

(8-13 Jahre)

Kaspar A. Lübbert  - 1. Preis

(14-18 Jahre)

Dana Marina Löhlein -

Preis der Calenberger Autoren

Uwe Märtens moderierte das Ganze in gewohnt lockerer und launiger Weise

Publikum mit Bürgermeister und Verleger

Man liest so oft, die ersten Sätze eines Buches oder eines Autors seien die wichtigsten. Ich habe mir dagegen einmal die jeweils letzten Sätze unserer Preisträger angesehen und finde es wert, sie hier zu zeigen!

Dana Marina Löhlein: ...In der Welt von morgen sollten wir ohne Probleme, ohne Sorgen, stattdessen frei und stolz sagen können: ICH BIN ICH!

Kaspar A. Lübbert: ...Und wer um seine Utopie kämpfen will, sollte jetzt damit anfangen. Sonst droht uns eine Welt der Intoleranz, der Ungleichheit, der Lüge und des Asphalts. Stellen wir die Weichen, um auf das richtige Gleis zu kommen!

Florian Elbrandt: ...Doch am prägensten war die Erfahrung, dass sie das alles in so kurzer Zeit gemeinsam wirklich geschafft hatten!

Alischa Rana: ...Es war ein besonderes Erlebnis. Es war einzigartig. Es war einfach Familie!

Elisabeth Girmann: ...Vorsichtig stellte ich mich auf die Zehenspitzen und küsste Kalle sanft auf die Wange. "Ich würde dich nie verlassen!"

Juliana Elbrandt: ...Finja, Mara, Anuk und ich klatschten uns ab und aßen während der verbleibenden Ferien jeden Tag einen der Äpfel von den von uns geretteten Bäumen.

Maria Lindert: ...Auch wenn die Zukunft noch ungewiss war, hatten Ben und Jenny jetzt etwas sehr Wichtiges gefunden: Einen Menschen an ihrer Seite, mit dem sie gemeinsam die Zukunft erwarten konnten.

Mathilda Mittendorf: ...Dieses Glücksgefühl behielt ich noch lange in mir, ebenso wie die Erfahrung, dass uns niemand aufhalten kann!

Fay Marie Fischer (4. Preis, war leider nicht anwesend): ...Die Schnellsten sind nicht die Besten!

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Archivgestöber !

Am Sonntag, d. 10. Februar 2019 trafen wir uns zum jährlichen Literarischen Abend, unserer sogenannten "Winterlesung" im Heimatmuseum in Linderte.


In Linderte vor 21 Jahren...

 

Nach ausgiebigem Stöbern im Calenberger - Autoren - Archiv, habe ich etwas gefunden, das ich unbedingt zeigen möchte. Wenn wir kein Jahr ausgelassen haben, war der gestrige Literarische Abend in Linderte der einundzwanzigste. Das Archiv sagt mir, dass am 10. Januar 1998 der erste Abend dieser Art mit den Gründungsmitgliedern des Calenberger Autorenkreises stattfand! Lesen Sie und freuen Sie sich daran! Und wer dabei war, damals, kann auch gerne in Erinnerungen schwelgen... Seitdem hat sich viel getan und viel verändert. Autoren kamen und gingen und immer wieder lernten die Zuhörer im kleinen Museum Linderte an diesen Literarischen Abenden neue Autoren, neue Prosatexte und neue Gedichte kennen. Zwei der Autoren aber - Friedrich Pape und Wilhelm Stenzel - haben all die Jahre durchgehalten und sind auch heute noch aktiv dabei. Darüber freuen sich ganz besonders die, die jetzt mit ihnen die aktuelle Autorengruppe bilden. Wir, d.h. Uwe Märtens, Renate Folkers, Uwe Köster, Karla Kühn, Jörg Hartung und Cornelia Poser hoffen, dass wir noch viele Jahre in dieser Besetzung (auch mit ein paar Neuen...) bleiben und mit Wilhelm und "Fritz" lesen, lachen und schreiben dürfen!  Gestern lasen vier aus unserem Kreis und zwar, wie man auf den Fotos erkennen kann, unter den strengen Augen des musealen Wachmanns, aber auch der gekonnten Moderation von Jörg Hartung.

 


... und am 10. Februar 2019


Cornelia Poser

Wilhelm Stenzel

Uwe Märtens

Gut moderiert von Jörg Hartung

Autoren unter sich...

"Kommt erst mal in mein Alter...!"

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"Der Dichter gleicht dem Wolkenfürsten droben..."

Am Montag, d. 28. Januar 2019 referierte Friedrich Pape im Kunst- und Literaturkreis der Margaretengemeinde in Gehrden über den französischen Lyriker Charles Baudelaire.

Wie schon bei den vergangenen Lesungen war das Interesse der Gehrdener Bürger groß an dieser Lesung. Friedrich Pape schilderte eindrücklich Leben und Werk dieses Ausnahme-lyrikers und trug dessen Gedichte zum Teil in freier Rede vor.

Der Albatros (Charles Baudelaire)

Courbet: Charles Baudelaire

Oft kommt es vor, dass, um sich zu vergnügen,
das Schiffsvolk einen Albatros ergreift,
den größten Vogel, der in lässgen Flügen
dem Schiffe folgt, das durch die Wogen streift.

Doch kaum gefangen in des Fahrzeugs Engen,
der stolze König in der Lüfte Reich,
lässt traurig seine mächtgen Flügel hängen,
die ungeschickten, langen Rudern gleich

nun matt und jämmerlich am Boden schleifen.
Wie ist der stolze Vogel jetzt so zahm!
Sie necken ihn mit ihren Tabakspfeifen,
verspotten seinen Gang, der schwach und lahm.

Der Dichter gleicht dem Wolkenfürsten droben.
Er lacht des Schützen hoch im Sturmeswehn.
Doch unten bei des Volkes frechem Toben,
da hindern mächtge Schwingen ihn am Gehn.

Friedrich Pape

Charles Baudelaire gilt als einer der Vertreter des Symbolismus in der Literatur. Der Symbolismus entsand in den letzten Jahren des 19. Jahrhundert in Frankreich. Prosa und Lyrik waren gekennzeichnet durch idealistische Züge, durch ein Sprache, die reich an Metaphern war, eine schwebende Atmosphäre erzeugte und sich damit vom Realismus und vom Naturalismus abgrenzte. Friderich Pape beendete seinen Vortrag mit einem eigenen Gedicht, das seine Liebe und Beziehung zu dem Lyriker widerspiegelt.

Baudelaire

Aus vordergründger Selbsttäuschung erwacht
durch dich, der unsren Ängsten Worte gab,
als Selbsthasser brach über sich den Stab,
birgt uns wie einstmals dich tröstende Nacht.

Vom Ekel vor uns selber bös zerfressen
fürchten wir des unnachsichtgen Richters Spruch
Wir lechzen nach der Schönheit täuschend Tuch,
und wollen unsre Abgründe vergessen.

Der Rhythmus deines Reimes hüllt ganz ein,
der Sprache Klangträgt wie ein ewges Meer.
Die Kälte schwindet, Grauen schreckt nicht mehr,
wir treiben hin, erlöschen, werden nicht mehr sein.


(Friedrich Pape)   


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"Ich bin nicht Stiller!"

Noch einmal las Cornelia Poser am Samstag, d. 12. Januar 2019  ihren Max Frisch, diesmal im Restaurant "Stiller / Marmite" in Barsinghausen

Fünfundsiebzig Frauen waren zum Frühstück und zur anschließenden Lesung gekommen, ließen sich von der Referentin über das Leben von Max Frisch berichten, ebenso über seine drei großen Romane Stiller, Homo Faber und Mein Name sei Gantenbein, sowie über die Erzählung Montauk und seine Tagebücher. Ein reichhaltiger Büchertisch des Bücherhauses am Thie ergänzte das Angebot, das die Zuhörerinnen am Ende der Lesung gerne annahmen, um ihre häuslichen Bücherregale mit Frisch-Werken aufzufüllen oder neu zu bestücken.









HAZ am 14.1.2019        Regionalteil Barsinghausen


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"Vergissmeinnicht!"

Unsere erste Lesung im Neuen Jahr fand am Mittwoch, d. 9.Januar 2019  in der Versöhnungskirche in Weetzen - Ronnenberg statt. Cornelia Poser stellte ihre autobiografischen Geschichten aus Hannas Kindheit vor.

 

Einmal im Monat treffen sich im Gemeindesaal der Versöhnungskirche in Weetzen die Aktiven Seniorinnen. Zu diesem ersten Treffen im Jahr 2019 waren mehr als dreißig Frauen gekommen. Nach einem ausgie-bigen Frühstück eröffnete eine Teilnehmerin des Frauensenioren-kreises den literarische Teil des Vormittags mit Erich Kästners schönem Januar-Gedicht aus dem Büchlein Die 13 Monate. Danach nahm Cornelia Poser die Zuhörer mit auf eine Reise in ihre kindliche Welt der Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts. Sie las drei auto-bigrafische Geschichten von Hanna. In der ersten, die Elbsand heißt, konnten die Zuhörerinnen die dreijährige Hanna beim Sandessen am Strand der Elbe erleben. In der zweiten Geschichte Silvester - oder der Schisshase durften die Zuhörerinnen am ersten Silvesterfest der Autorin im Jahr 1956/57 teilnehmen. Den Abschluss bildete die Geschichte Heinzi - der Blödmann, die Hanna als zehnjähriges Mädchen beim Rollschuhlaufen zeigt. Da am Schluss noch etwas  Zeit war und alle noch Lust zum Zuhören hatten, gab es die Zugabe Durch den Eisernen Vorhang, eine Erinnerung an eine Zugreise der Autorin von Hamburg nach Dresden im Jahr 1956. Die Lesung animierte einige Zuhörerinnen, auch von sich etwas zu erzählen und man verabschiedete sich mit der Gewissheit, dass es gut ist, eigene Erinnerungen nicht nur zu haben, sondern sie auch aufzuschreiben und mit anderen zu teilen.

 

Cornelia Poser beim Vortrag


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