Calenberger Autorenkreis

      

Kurze und längere Berichte zu unseren Lesungen im Jahr 2017
(die neuesten Berichte stehen am Anfang)



Zum letzten Mal vor der Sommerpause:

Szenische Lesung aus den Dramen von Friedrich Schiller  im Eilenriedestift am Donnerstag, d. 22. Juni 2017, 18:00 Uhr

"Menschenrechte - Formen der Freiheit"

Nach der Textauswahl von Jörg Hartung und Friedrich Pape und unter der Regie von Jörg Hartung lasen (Uwe Märtens, Cornelia Poser, Friedrich Pape und Jörg Hartung eine Auswahl von Szenen aus Friedrich Schiller Werk. Es wurden dabei unterschiedliche Formen und Deutungen des Begriffes "Freiheit" beleuchtet. Im "Wihlehm Tell" ging es die politische und nationale Freiheit und Unabhängigkeit der Schweizer von den Habsburgern. In dem in Spanien angesiedelten Drama "Don Carlos" beleuchtete Schiller die Gedankenfreiheit als Ideal des mündigen Bürgers und im "Wallenstein" wurde das Thema der persönliche Freiheit des Menschen eine Entscheidung zu treffen dargestellt. Wie unabhängig sind unsere angeblich so freien Entscheidungen tatsächlich?


Szenen aus Wilhelm Tell, Don Carlos und Wallenstein


Die Zuhörer des Eilenriedestiftes lauschten aufmerksam dem Text und dem angedeuteten Spiel. Während sich draußen ein großes Unwetter zusammenbraute und zwei Stunden später über Hannover hinweg fegte, saßen wir noch gemütlich mit ein paar Bewohnern zusammen und diskutierten über die Texte und über andere Aspekte der Literatur und des Schreibens. Alles in Allem ein schöner Ausklang vor der nun folgenden Sommerpause. Unser Dank geht an den Kulturreferenten Herr Weinert vom Eilenriedestift für die uns zur Verfügung gestellten Lesungstermin in der vergangenen Zeit. Hoffentlich dürfen wir bald wiederkommen!


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Die Seniorenakademie Alfeld lud am 14. Juni 2017 zur Veranstaltung "Zeitreise Barock" ein.

Unter der Leitung von Lieselotte Herwig erhielten die Zuhörern im Kalandhaus in Alfeld in einer fast zwei Stunden dauernden Veranstaltung vielfältige Informationen zum Leben in der Barockzeit. Da ging es um die Baukunst, die Malerei, die Kleidung, das Essen und die Gartengestaltung, sowie um städtebauliche Aspekte dieser durch Kriege, Gewalt und Armut auf der einen Seite, sowie durch Prunksucht, Verschwendung und Völlerei auf der anderen Seite gekennzeichneten Zeit. Die Berichte der Referentin wurden von Jörg Hartung vom Calenberger Autorenkreis auflockernd und pointiert ergänzt. Dazu setzte ein kammermusikalisches Blockflöten-Ensemble mit Werken von Allessandro Scarlatti, Leo Haßler und Georg Freidrich Händel musikalische Akzente. Für manch Calenberger-Autoren-Zuhörer-Ohren kam bei aller Informationsfülle die klangreiche Literatursprache der Barockzeit etwas zu kurz. Vielleicht wäre sie noch einmal einen Calenberger Extravortrag wert? 


1636 - Andreas Gryphius - Tränen des Vaterlandes

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun
Hat aller Schweiß, und Fleiß, und Vorrat aufgezehret.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch' ist umgekehret.
Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,
Die Jungfern sind geschänd't, und wo wir hin nur schaun
Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut.
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut
Von Leichen fast verstopft, sich langsam fort gedrungen.

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer denn die Pest, und Glut und Hungersnot,
Daß auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

1636 - Pedro Calderón


Was ist Leben? Raserei!

Was ist Leben? Hohler Schaum,

ein Gedicht, ein Schatten kaum!

Wenig kann das Glück uns geben,

denn ein Traum ist alles Leben.

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Am Sonntag d. 11. Juni 2017

gab es in Linderte im Garten der Familie Kühn wieder - und damit zum 4. Mal dort - unsere

Sommerlesung

Da die Wetteraussichten gut schienen und alles wunderbar vorbereitet war, starteten wir im Garten in Linderte mit Kaffee und Kuchen. Die sich über dem Deister zusammenziehenden dunklen Wolkenschichten ignorierten wir erst einmal, stellen vorsichtshalber genug Sonnenschirme auf und als es dann doch nicht mehr zu übersehen und überhören war, verteilte die Hausherrin Knirpse an das geduldige Publikum. Manche hatten aber auch selbst vorgesorgt, so dass niemand im Regen stand. Und unsere Lesung mussten wir nur einmal ganz kurz unterbrechen. Die Zuhörer bekamen an diesem Nachmittag nicht nur etwas zu hören, sondern wurden vom Heimatmuseum Linderte, wie auch von den Calenberger Autoren hinterher - wie in jedem Jahr - abwechslungsreich mit Getränken, sowie Würstchen und Kartoffelsalat versorgt.

              Fritz Pape

         Cornelia Poser 

    dahinter Uwe Märtens (Mod.)        

             Karla Kühn

           Jörg Hartung

Fritz Pape las seine Kurzgeschichte "Unmündig?", in der es um einen für die Nachfahren etwas verspinnerten Herrn ging, der wegen seiner vielfältigen Phantasie seine Zuhörer fesselt und zugleich nicht zuerst daran denkt, sein Vermögen den Erben zu übertragen, sondern zu leben. Cornelia Poser las ihre Märchenadaption "Bruder und Schwester - kein Märchen, sondern wie es wirklich war", eine spannende, die Zuhörer fesselnde und überraschende Erzählung, die ein junges, phantasievolles Mädchen nach und nach in den Wahnsinn treiben lässt. Nach der Pause las Janina Klenke (Gewinnerin des Jugendschreibwettbewerbes Laatzen 2016) einen kurzen mahnenden Text zum Umgang mit unseren Wasserressorcen. Karla Kühn fesselte das Publikum mit zwei Texten, "Der Steinbruch" und "Lovestory", die aus dem Leben gegriffen waren. Den Abschluss  bildete die humorige Geschichte "In der Hotelbar", die Jörg Hartung von einer seiner vielen Reisen rund um die Welt mitgebracht hatte.

Die Lesung wurde, wie immer, kompetent von unserem Uwe Märtens moderiert.


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"Ich habe einen Vogel..."

Eindrücke zur Gedenklesung für Usch Kühn am 9. Juni 2017 in der Alten Kapelle Weetzen

Die Calenberger Autoren zusammen mit dem Vibraphonisten Florian Poser, der die Gedenklesung musikalisch begleitete, während und nach der Lesung.



Usch Kühn / 1994
Ein Bild

Da ist ein Bild - du suchst den Sinn.
Schaust du nur vordergründig hin,
so hast du scheinbar schnell entdeckt
all das, was in dem Bilde steckt. -

Es trügt - wie oft - der erste Schein.
Lass dich viel tiefer darauf ein,
lass deine Augen nichts mehr tun,
nicht fassen wollen, nur noch ruh'n...

Dann wirst du langsam voll Beglücken
das, was dahinter liegt, erblicken.


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Am Sonntag, den 4. Juni 2017 lasen Dr. Dietmar Weiß vom Kunstkreis Laatzen und  Friedrich Pape zum dritten Mal in den Räumen des Kunstkreises eigene Werke vor.

Dr. Weiß, ehemaliger Landarzt in Gronau bei Alfeld, ließ uns an seinen „Medizynischen Betrachtungen und Erlebnissen“ teilhaben. Friedrich Pape gab kurzweilige Kommentare aus der Sicht des Patienten dazu und zusammen ergab alles eine wunderbar abwechslungsreiche Mischung, bei der sich das zahlreich erschienene Publikum schmunzelnd amüsieren konnte.

Dr. Weiß las aus seinen Erinnerungen nicht nur über die Entwicklung der medizinischen Versorgung in den Nachkriegsjahren, als Entscheidungen noch nach dem gesunden Menschenverstand getroffen wurden, sondern berichtete auch sehr kritisch über die Arbeitsbelastung des Arztes, wenn er seinen Beruf ernst nimmt, über Budgetierung, Zuzahlungen und den Sinn oder Unsinn von Vorsoreguntersuchungen.

Fritz Papes Texte schilderten die Sicht des Patienten in humoriger und ironischer Art. Da ging es in der ersten Geschichte um ein Gesicht, das sich mit zunehmendem Alter so grauenvoll verändert hatte, dass es dringend von einem plastischen Chirurgen bearbeitet werden musste, leider mit fragwürdigem Ergebnis…. Ebenso durften wir auf einer Zugfahrt einem Wissenschaftler lauschen, der sich der „Pseudologie“ verschrieben hatte, letztendlich aber nur ein ganz normaler Haarabschneider war. Im zweiten Teil folgten drei Glossen zu den Themen „Schluckauf“, „Nachsorge im Krankenhaus“ und „Stimmverlust“.

Die Lesung kam so gut an, dass es im kommenden Jahr sicherlich wieder eine Fortsetzung in dieser Kombination geben wird.


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Am Sonntag, den 28. Mai 2017 waren wir wieder einmal Gäste in Linderte im dortigen Heimatmuseum. Friedrich Pape stellte den Zuhörern das Leben und Werk des Dichters Wilhelm Müller vor.

Wilhelm Müller, Dichter der Romantik, 1794 geboren und einziges überlebendes Kind von 7 Geschwistern, studierte Philologie in Berlin, ging dann als Freiwilliger in den Befreiungskrieg gegen Napoleon. Ab 1816 besuchte er die literarischen Salons in Berlin, verliebte sich unglücklich in Luise Hensel, die Schwägerin von Fanny Mendelssohn. Die beiden in den 1820ger Jahren von Franz Schubert vertonten Gedichtzyklen „Die schöne Müllerin“ und „Die Winterreise“ haben ihren dichterischen Ursprung wohl in dieser unerfüllten Liebe. Es ist nicht belegt, gilt aber als unwahrscheinlich, dass sich der Dichter Müller und der Komponist Schubert je getroffen haben. 1821 heiratete Wilhelm Müller Adelheid Basedow. Er war seinen beiden Kindern ein liebevoller Vater. Mit 31 Jahren erkrankt er 1826 an Keuchhusten, von dem er sich nicht erholte und schon mit 32 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes starb.

Wie immer, wenn wir in Linderte eine Lesung haben, waren wir hinterher noch zu Kaffee und anderen Getränken, sowie mitgebrachten Kuchen und Schnittchen eingeladen. Unser Dank gilt immer wieder Birgit Hildebrand, der Leiterin des Heimatmuseums Linderte.


Gefrorne Tränen


Gefrorne Tropfen fallen
von meinen Wangen ab:
und ist's mir denn entgangen,
dass ich geweinet hab?

Ei Tränen, meine Tränen,
und seid ihr gar so lau,
daß ihr erstarrt zu Eise,
wie kühler Morgentau?

(aus dem Zyklus "Die Winterreise")

Und dringt doch aus der Quelle
der Brust so glühend heiß,
als wolltet ihr zerschmelzen
des ganzen Winters Eis!



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Am Sonntag, den 7. Mai 2017 stellte Cornelia Poser noch einmal das Leben und Werk der Schriftstellerin Irmgard Keun vor, diesmal in den Räumen  des Kunstkreis Laatzen.

Eine kleine, aber sehr interessierte Zuhörerschaft hatte sich - obwohl von draußen endlich schönes und warmes Frühlingswetters hereinwehte -  in den Räumen des Kunstkreises eingefunden. Cornelia Poser lud diese zu einer Reise in die bewegendes Geschichte der Ausnahmeschriftstellerin Irmgard Keun ein. Zu hören waren Ausschnitte aus ihren ersten beiden Romanen "Gilgi" und "Das kunstseidene Mädchen", sowie aus dem wohl wichtigsten Roman "Nach Mitternacht". Die Zuhörer hatten in der Pause und nach der Lesung auch die Möglichkeit, die Romane der Autorin in die Hand zu nehmen und in ihnen zu blättern. Ebenso bekamen sie Einblicke in die umfangreiche Sekundärliteratur, zum Beispiel in das Buch von Hermann Kesten: "Meine Freunde, die Poeten" oder von Jürgen Serke "Die verbrannten Dichter", aber auch in etiche Biografien über Irmgard Keun, die es inzwischen auf dem Buchmarkt gibt.

Auch am Mittwoch, den 5. Juli 2017 las Cornelia Poser noch einmal zum Leben und Werk der Schriftstellerin - und zwar als eine Art "Gastspiel" in der Parkresidenz in Hamburg-Rahlstedt.


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Am Montag, den 24. April 2017 waren wir zu Gast im Eilenriedestift. Dort lasen um vier Calenberger Autoren unter dem Thema "Aus dem Leben gegriffen" eigene Texte.

Cornelia Poser entführte zu Beginn das gespannt zuhörende Publikum mit ihrem Text "Bei den Hexen" in eine phantastische und trotzdem reale Märchenwelt. Jörg Hartung nahm die Zuhörer zusammen mit den Protagonisten Franz und Wilfried mit auf eine Reise in die Alpen zu einer wunderschönen und reichen, dazu noch verwitwten Almwirtin, die alles zu einem unerwarteten Ende führte. Karla Kühn las ihre beiden berührenden Texte "Der Tänzer" und "Die Kreuzfahrt" und Uwe Märtens, der die Lesung auch als Moderator begleitete, regte mit seinen lyrischen Texten zum Schmunzeln und Mitdenken an und beschloss damit die Lesung.

Karla Kühn


Karla Kühn, Cornelia Poser, Jörg Hartung und Uwe Märtens während der Lesung.


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In zwei Lesungen stellte Cornelia Poser im März und April das Leben und Werk der in den 1930ger-Jahren erst hochgejubelten und dann von den Nazis verbotenen Schriftstellerin Irmgard Keun vor: am 12. März 2017 im Heimatmuseum Linderte und am 2. April 2017 in der kleinen Kapelle in Harkenbleck.

Wer war Irmgard Keun? Wie war ihr Leben? Was hat sie geschrieben – und wie? Warum hat man sie vergessen? Weshalb kennt man sie heute kaum? Diese und weitere Fragen stellte Cornelia Poser, als sie im vergangenen Jahr begann, sich mit Irmgard Keun zu beschäftigen. Die Zuhörer am 12.3. im Heimatmuseum in Linderte und die am 2.4. in der Kapelle Harkenbleck erfuhren nun mehr über die Autorin und schillernde Persönlichkeit. Sechs Romane schrieb sie in einem Zeitraum von nur sieben Jahren. Dazwischen lagen sogar noch fast vier Jahre erzwungener Unterbrechung, in denen sie nicht publizieren konnte, von 1933 bis 1936. Ihre ersten beiden Romane katapultierten sie 1931/32 in den Zenit der Berühmtheit. Vier weitere schrieb sie im Exil. Aber nach dem Krieg wurde es sehr still um Irmgard Keun.

Der Verleger Hermann Kesten schrieb über Irmgard Keun, als er sie 1936, kurz nach ihrer Ankunft im belgischen Exil, kennenlernte:

"Wir trafen uns im Hotel Métropol...Irmgard Keun erzählte das ganze tägliche Leben in seiner absurden Komik, pausenlos, wie die Sprecher in ihren Ich-Romanen, aber nicht so naiv wie diese. Sie erzählte vom neuen exotischen Germanien mit vorsichtig gesenkter Stimme und in tollkühnen Bildern und Wendungen. Ihre weiße Bluse und ihre blonden Haare flatterten wie in einem wilden Wind, ihre Augen und Hände schienen mitzusprechen, und es sprach ihr Verstand und ihr Herz. Sie war naiv und brilliant, witzig und verzweifelt, volkstümlich und feurig. Sie war eine Tochter, die sich ihrer Väter und Brüder schämt, eine Prophetin, die anklagt, eine Predigerin die schillt, ein politischer Mensch, der eine ganze Zivilisation sich verschlämmen sah..."

Weitere Lesung zu Irmgard Keun: am 7.5.17 (siehe "Lesungen Termine")

  

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Am 8. März 2017 lasen wir im Eilenriedestift aus Albert Camus "Die Pest"

Neben einem kurzen Einblick - durch Jörg Hartung - in das Leben von Albert Camus, der als einer der bedeutendsten französischen Autoren des letzten Jahrh. gilt, präsentierten wir als Autorengruppe (Jörg Hartung, Karla Kühn, Uwe Märtens, Fritz Pape, Cornelia Poser und Wilhelm Stenzel) eine szenische Lesung mit Auszügen aus "Der Belagerungszustand". Der gelesene Abschnitt aus dem Werk "Die Pest" gilt als Parabel für den Widerstand gegen Tyrannei und Unterdrückung und ist ein Plädoyer für die Solidarität unter den Menschen. Das Werk ist heute aktueller denn je. Zur Lesung kamen viele interessierte Bewohner des Stiftes, aber auch Gäste von außerhalb, die zusammen gebannt das Geschehen verfolgten.

Gouverneur: "Volk von Cádiz, ihr werdet bestimmt verstehen, dass jetzt alles anders geworden ist. Es ist vielleicht richtig, wenn ich unsere Stadt zu eurem Wohl dem neuen Machthaber überlasse, der hier auftritt. Die Vereinbarung, die ich mit ihm treffe, wird zweifellos das Schlimmste verhüten. Und ihr werdet so die tröstliche Gewissheit haben, dass ihr außerhalb eurer Mauern eine Regierung bewhrt, die euch eines Tages nützlich sein kann. Ich brauche wohl nicht ausdrücklich zu betonen, dass mir diese Worte nocht von der Sorge um meine eigene Sicherheit eingegeben werden, sondern..."

Die Pest: "Verzeihen Sie, wenn ich unterbreche. Aber es würde mich freuen, wenn Sie öffent­lich klar­stellen wollten, dass Sie meinen zweck­dienlichen Anordnungen aus freien Stücken zustimmen und es sich selbstverständlich um eine freiwillige Übereinkunft handelt."

Gouverneur: "Wohlverstanden schließe ich diesen Vertrag in völliger Handlungsfreiheit ... Freiheit..." (geht ab)

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Karla und Joachim Kühn

Am 4. März 2017 lasen    Karla und Joachim Kühn in Barsinghausen im Rahmen eine geschlossenen Gesellschaft bei einem Frauenfrühstück aus dem Leben und Werk von        Erich Kästner.

Erich Kästner

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.
 
Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schliesslich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagt, es wäre schon Viertel nach vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.
 
Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend sassen sie immer noch dort.
Sie sassen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.

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Im Eilenriedestift stellte Cornelia Poser am 20. Februar 2017 um 18:00 Uhr  das Leben der Autorin Irmgard Keun unter dem Titel: "Das kunstseidene Mädchen - oder: Was ist der Ernst des Lebens?" einem sehr literaturinteressiertem Publikum, vor.

"Cornelia Poser vom Calenberger Autorenkreis entfaltet das Leben und Werk der 1905 in Berlin geborenen Schriftstellerin Irmgard Keun. Ihre ersten Romane „Gilgi - eine von uns“ und „Das kunstseidene Mädchen" wurden zu Beginn der 30er Jahre erst hochgejubelt, dann - nach der Machtübernahme - verboten. Die Autorin begehrte auf, solange es ihr möglich war. Ihr exzessiver und ungewöhnlicher Schreibstil entsprach ganz ihrer Persönlichkeit. 1936 emigrierte sie und kehrte 1940 unter falschem Namen nach Deutschland zurück." (Veranstaltungskalender Eilenriedestift)

Gedicht zum Tod von Joseph Roth, 1939

Die Trauer Freund, macht meine Hände dumm,
Wie soll ich aus dem schwarzen Blut der Grachten Kränze winden?
Das Leid mein Freund, macht meine Kehle stumm,
Wo bist du Freund, ich muss dich wieder finden.

Die Tränen sterben mir, denn du bist tot,
Zerbrochne Gräber, scheinen mir die Sterne.
Es fließt, es fließt der Strom der großen Not
Aus jedem Grab der unerreichten Ferne.

Ich möchte einen Mantel weben aus dem Leid
Einsamer Stunden, kann man Tote noch beschenken?
Man kann nur dankbar sein für jede Stunde Zeit
die Gott noch gibt, um liebend zu gedenken.


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Am 19. Februar 2017 gab es um 16:30 Uhr im Kunstkreis Laatzen mal wieder eine Lesung mit Wolfgang Nieschalk, der - wie schon im vergangenen Herbst in Linderte - noch einmal aus den Novellen von Guy de Maupassant las und über dessen Leben berichtete.

Viele Zuhörer - unter ihnen auch viele neue Gesichter - waren in den Ausstellungsraum des Kunstkreises gekommen und hörten gut gelaunt zu. Wolfgang Nieschalk begann mit der Grabrede für den Schriftsteller, die sein Freund Emil Zola im Juli 1893 zur Beerdigung des Schriftstellers gehalten hatte und die einen guten und knappen Lebensabriss darstellte. Die Zuschauer durften sich danach bei den Novellen "Der Kuss", "Ratschläge einer Großmutter" und "Das Zeichen" amüsieren. Ebenso gab der Referent eine Kurzfassung der Novelle "Fettklößchen" zum Besten. Der Vortrag endete ernster, mit einigen Auszügen aus der Schauernovelle "La Horla". Guy de Maupassant war sich seines frühen Endes, bedingt durch die Syphilis-Erkrankung, bewusst. Er litt in den späten 1880ger Jahren unter Schlaflosigkeit, Sehstörungen und Angstzuständen, die er zwar nicht offen zugab, die sich aber in seinen deutlich verdüsternden Texten, wie z.B. "La Horla", widerspiegelten.


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Am 12. Februar 2017 waren wir um 17 Uhr wieder einmal zu Gast in Linderte im Museum des Heimatvereins, einem uns seit 20 Jahren vertrauten Leseort, an dem wir uns immer sehr wohl fühlen. Unser Literarischer Abend trug den Untertitel "Winterlesung"

Viele Zuhörer waren in das kleine Museum gekommen, so dass alle Tische gut besetzt waren. Besonders erfreulich war, dass diesmal auch einige neue und junge Zuhörer den Weg nach Linderte gefunden hatten. Wie immer sprach die Museumsleiterin Frau Hildebrandt, die Begrüßungs- und Schlussworte und lud nach der Lesung zu einem gemütlichen Beisammensein ein.

5 Mitglieder aus unserem Kreis stellten eigene Texte vor, die diesmal fast alle zum Nachdenken anregten.                     Jörg Hartung moderierte die Lesung und gedachte zu Beginn mit einigen Worten noch einmal unserer verstorbenen Usch Kühn. Er wies auch darauf hin, dass wir im Mai (so es denn klappt) in Weetzen eine ganze Lesung nur mit ihren Texten planen.

Jörg Hartung las danach noch zwei seiner Gedichte, die sich beide mit dem Übergang von Leben zum Tod befassten (Des Fährmanns Münzen / Tod einer Mutter). Ihm folgte Wolfgang Nieschalk mit drei launigen Kolumnen (Das fremde Mädchen / Tod eines Giganten / Der Winter lässt mich kalt). Wilhelm Stenzel trug zwei Gedicht und drei Kurztexte vor, die zum Nachdenken über das Alter, aber auch über die Liebe, anregten. (Lichtgeflacker / Neunzig / Rendevous / Die Bootsfahrt / An diesem Abend). Nach der Pause ging es mit den Beiträgen von Uwe Köster weiter. Auch er las diesmal zwei nachdenkliche Prosatexte, beschloss alles aber mit dem schönen und ganz anderen Gedicht "Sitzhorn" (Sicherungsverwahrter / Falsch abgebogen / Arbeitslos / Weit weg / Moderne Unterhaltung / Sitzhorn). Cornelia Poser beendete den Lesereigen mit einer autobiografisch gefärbten Kurzgeschichte, sowie einem Gedicht (Bei den Hexen / An die Nachgeborenen - in memoriam B.B.).


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Sonntag, d. 5 Februar 20017

Preisvergabe des Jugendschreibwettbewerbs des Kunstkreises Laatzen

Das sind die Preisträger des Jugendschreibwettbewerbes des Kunstkreises Laatzen 2017. Lesen sie mehr dazu unter "Archiv Berichte 2017". Drei Mitglieder des Calenberger Autorenkreises (Uwe Märtens, Cornelia Poser, Usch Kühn) waren in der Jury und wählten die besten der 30 eigensandten Beiträge mit aus.

          von links: Sarah Demit, Julia Kopp, Charlotte Möhring, Luis Nickel, Florian Elbrandt, Katharina Fliege, Timon Renzelmann

(Auf diesem Foto fehlt Sarah Demit noch, die den 1. Preis in der Kategorie 9. bis 13. Klasse gewann. Sie kam leider etwas zu spät, konnte ihre Urkunde aber noch entegegen nehmen und ihren Siegerbeitrag vorlesen!)


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Am 23. Januar 2017 stellte Friedrich Pape in der Margarethen-Gemeinde Gehrden das Leben und lyrische Werk des Schriftstellers Theodor Strom vor.


Viele interessierte Zuhörer des Literaturkreises der Margarethen-Gemeinde waren gekommen, aber auch Gäste aus Ortenschaften der näheren Umgebung angereist. Zusammen füllten sie den Gemeindesaal in der Kirchstraße und lauschten aufmerksam, was Friedrich Pape über Theodor Storm zu berichten hatte. Im Mittelpunkt standen dabei nicht die bekannten Novellen, sondern das eher unbekannte lyrische Werk des Autors. Vage erinnert man sich an die eigene Schulzeit und "die graue Stadt am grauen Meer"... In der heutigen Lesung durften die Zuhörer ihr Wissen ergänzen und viele wunderschöne unbekannte Gedichte von Storm kennenlernen, die Friedrich Pape zum Teil auswendig vortrug.

Hyazinthen

Fern hallt Musik; doch hier ist stille Nacht,
Mit Schlummerduft anhauchen mich die Pflanzen.
Ich habe immer, immer dein gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du musst tanzen.

Es hört nicht auf, es rast ohn Unterlass;
Die Kerzen brennen und die Geigen schreien,
Es teilen und es schließen sich die Reihen,
Und alle glühen; aber du bist blass.

Und du musst tanzen; fremde Arme schmiegen
Sich an dein Herz; o leide nicht Gewalt!
Ich seh dein weißes Kleid vorüberfliegen
Und deine leichte, zärtliche Gestalt. - -

Und süßer strömend quillt der Duft der Nacht
Und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen.
Ich habe immer, immer dein gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du musst tanzen.

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Am 20. Januar 2017 fand um 19:00 Uhr in der Fachwerkscheune in Ihme-Roloven eine weitere Lesung zum Schriftsteller Heinrich Spoerl statt.

In dem wunderschönen Raum der wieder neu errichteten Fachwerkscheune des Ortes las Wolfgang Nieschalk einige humoristische Texte des Autors, der von 1887 bis 1955 lebte. Natürlich war "...also, wat is en Dampfmaschine?..." dabei. Aber auch fünf Texte aus "Man kann ruhig darüber sprechen" wurden gelesen (Der Wiili und ich / Vom Gelde / In der Straßenbahn / Der Zeuge / Man soll es nicht tun).

Den abschließenden Höhepunkt bildete der Dialog "Hochzeitsreise" den der Referent zusammen mit Karla Kühn überzeugend und mit dem notwendigen Augenzwinkern darbrachte. Das Publikum war zahlreich gekommen und amüsierte sich gut.


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Am 11. Januar 2017 fand auf Einladung von Volker Nemitz von der Seniorenakademie Alfeld um 16:00 in der Schulrat-Habermalz-Schule unsere erste Lesung in diesem Jahr vor sehr interessiertem Publikum statt.

Georg Trakel und Georg Heym, beide 1887 geboren, der eine 1912 bei dem Versuch, einen Freund zu retten, im Eis des Wannsees eingebrochen und gestorben, der andere 1914 zu Beginn des 1. Weltkrieges durch die grausamen Erlebnisse im Feldlazarett in den Selbstmord getrieben, gehörten zu den wichtigsten Lyrikern des frühen Expressionismus zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Fritz Pape schilderte in seinem zweiteiligen Vortrag beider kurze Leben und trug ihre Gedichte eindrucksvoll vor.






Georg Trakl: Im Winter

Der Acker leuchtet weiß und kalt.
Der Himmel ist einsam und ungeheuer.
Dohlen kreisen über dem Weiher
Und Jäger steigen nieder vom Wald.

Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.
Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.
Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten
Und langsam steigt der graue Mond.

Ein Wild verblutet sanft am Rain
Und Raben plätschern in blutigen Gossen.
Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.






Georg Heym: Der Winter

Der Sturm heult immer laut in den Kaminen
Und jede Nacht ist blutig-rot und dunkel.
Die Häuser recken sich mit leeren Mienen.

Nun wohnen wir in rings umbauter Enge,
Im kargen Licht und Dunkel unserer Gruben,
Wie Seiler zerrend grauer Stunden Länge.

Die Tage zwängen sich in niedre Stuben,
Wo heisres Feuer krächzt in großen Öfen.
Wir stehen an den ausgefrornen Scheiben
Und starren schräge nach den leeren Höfen.

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