Calenberger Autorenkreis

      

Berichte zu unseren vergangenen Lesungen in 2021
(die neuesten Berichte stehen zuerst)

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Die Axt für das gefrorene Meer in uns!

Am Samstag, d. 21. November 2021 hielt Friedrich Pape im Freiraum Hiddestorf seinen Vortrag:  "Der Einfluss der Literatur auf Politik und Gesellschaft"

Der "Freiraum vor der Lesung"

Der Raum füllt sich

Frank Kost begrüßt die Zuhörer

Fast genau vor zwei Jahren und damit gute 3 Monate vor dem ersten Lockdown, machte Friedrich Pape sich das erste Mal im Rahmen einer Lesung Gedanken über den „Einfluss der Literatur auf Politik und Gesellschaft“. Nun durften wir seinem, inwischen erweiterten Gedanken folgen. Das taten wir in dem kuturellen Kleinod Freiraum in Hiddesdorf, den es dort seit einiger Zeit gibt und der fast einen privaten Rahmen hat. Eine gemütlich ausgebaute Hofscheune ist es. Es kamen viele Zuhörer, die sich vorher angemeldet hatten und am Eingang ihre Impfnachweise vorzeigten. Nur auf den Bedingungen konnte ein hochinteressanter und von den Veranstaltern liebevoll gestalteter Abend stattfinden. Eine kleine Bar lud zu Getränken ein und in der Pause und auch nach der Lesung wurden kleine Häppchen gereicht. Die Calenberger Autoren bedanken sich ganz herzlich bei den Veranstaltern Diana Pape und Frank Kost und hoffen auf weitere Lesemöglichkeiten im Freiraum im kommenden Jahr.

Friedrich Pape hielt einen wundebaren Vortrag. Er wählte dazu die wichtigsten Literaten aus, die im Laufe der Geschichte durch ihre Werke Einfluss auf Politik und Gesellschaft genommen haben. Zum Beispiel Rudolf Hagelstange, Georg Christoph Lichtenberg, Franz Kafka (von dem auch obiger Titel stammt…), natürlich die beiden Großen  Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, aber auch Homer und Seneca kamen in Zitaten zu Wort. Ich lernte Iwan Gontscharow kennen, hörte Zitate aus „Ullysses“ von James Joyce, und aus dem Buch „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust.  Es fehlte auch nicht Thomas Mann mit dem Roman „Joseph und seine Brüder“, sowie die wichtigsten Literaten des beginnenden 20. Jahrhunderts, wie Kurt Tucholsky oder Stephan Heym. Ich füge zu der Fülle der Genannten noch die Namen großer Literaten hinzu, die Friedrich Pape durch seinem Vortrag sprechen ließ: Georg Heym, Anne Seghers, Siegfried Lenz mit seiner „Deutschstunde“, Heinrich Böll, Erich Löst mit seinem Roman „Durch die Erde ein Riss“, Franz Werfel, Martin Walser, Erich Kästner, Erich Mühsam, Sándor Márai, Jürgen Serke und viele, viele andere. Wir danken Friedrich Pape für diesen informativen und interessanten Vortrag.

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»Für solche Schweine spiele ich nicht! «,

soll Ludwig van Beethoven ausgerufen haben, als ein Graf während eines Konzertes nicht aufhörte, mit seiner Sitznachbarin zu plaudern. Der Meister sprang auf und verließ den Salon.

Ganz anders verhielt sich da Publikum bei den beiden Lesungen am Sonntag, den 5. September 2021 im Kunstkreis Laatzen und ebenso am Freitag, den 12. November 2021 in der Bibliothek in Bennigsen. Es lauschte aufmerksam den Klängen von Ludwig van Beethoven  und ebenso den Worten von Friedrich Pape, der durch das Leben und Leiden des Musikgenies führte. Ausgebucht war der schöne Galerieraum, die Plätze reserviert und die Stühle in zugelassenen Abständen aufgestellt.

Eine „schwierige“ Persönlichkeit von Kindheit an soll Beethoven gewesen sein, musikalisch hochbegabt als Klaviervirtuose, Dirigent und Komponist. Bewundert und verehrt schon zu Lebzeiten. Große Persönlichkeiten waren seine Lehrer, unter ihnen Josef Haydn und Antonio Salerie. Das Temperament des Schülers aber war  grimmig und zügellos, er war reizbar, voller Ungeduld und Misstrauen und hatte dazu eine sarkastische Ader. Im Alter kamen noch Obsessionen und Marotten dazu. All dies ist in Dokumenten und durch Zeitzeugen belegt. Goethe schrieb, Beethovens Talent habe ihn in Erstaunen versetzt, der Musiker habe aber eine ungebändigte Persönlichkeit. Er habe zwar recht, wenn er die Welt abscheulich fände, würde sie aber durch seine Art weder für sich noch für andere genussreicher mache. Zwei Genies, die nicht auf gleicher Wellenlänge funkten.

In seiner Kunst trieb Beethoven aber auch gerade durch seine Art die Musikgeschichte voran, er schrieb Unerwartetes, bisher nicht Gehörtes. Psychisch und körperlich steckte er dagegen in einem Teufelskreis. Mit knapp 30 Jahren zeigten sich die ersten Symptome einer beginnenden Schwerhörigkeit. Welch ein Desaster für einen Musiker, der das Vollkommen liebt, Perfektion anstrebt. Aus seinem Heiligenstädter Testament ist herauszulesen, wie sehr ihn seine zunehmende Taubheit belastete. Hilfestellung bekam er nur durch unvollkommene Hörrohre. Später kommunizierte er in seiner Taubheit nur noch schriftlich. Wie gut haben wir es heute doch mit den kleinen elektronischen Geräten im Ohr, die man kaum sieht!

Viel hat das Publikum im Kunstkreis über das Genie und sein Leben erfahren, aber auch Musik wurde zu Gehör gebracht. Joachim Kühn hatte sorgfältig ausgewählt. So hörten wir natürlich „Für Elise“ von Lang Lang gespielt, dann die 8. Klaviersonate, die „Pathétique“ mit Daniel Barenboim. Der „erste Satz der 5. Sinfonie“ durfte nicht fehlen, sowie das gewaltige Agnus Dei aus der „Missa Solemnis“. Im zweiten Teil hörten wir dann Ausschnitte aus der 7., der 8. und der 9. Sinfonie.

Das Werk von Beethoven ist nicht an einem Abend und schon gar nicht in einem Vortrag zu fassen. Für mich war der Nachmittag nicht nur deswegen sehr ungewöhnlich. Angenehm überrascht, aber auch etwas irritiert war ich dadurch, dass an den Stellen, wo sonst in unseren Vorträgen literarische Zitate gelesen werden, diesmal Musik erklang.


Über Vergängliches und Bleibendes

Schon im vergangenen Herbst wollten wir eigentlich in der Friedhofskapelle in Wennigsen eigene Texte und Gedichte lesen. Kurz vorher kam aber dann der Lockdown und unsere Lesung musste abgesagt werden. Dafür durften wir aber nun an diesem schönen Sommerabend des 24. Juni 2021 die Ersten sein, die dort eine Lesung anboten. Wir selbst waren ja so ausgehungert und sehnten uns nach dem monatelangen "Stillhalten" nach echten Menschen mit echten Ohren, die uns echt zuhören. Endlich war es soweit! Der Friedhof und seine schöne Kapelle hatten die "stille Zeit" vom Oktober bis jetzt zum Sommer gut überstanden, so wie es sich für solch einen Ort ja auch gehört. Schauen Sie doch einmal auf die Homepage des (https://www.friedhof-wennigsen.de/startseite.html). Sie finden dort sehr interessante Infor-mationen zu seiner Enststehung, aber auch zur Renovierng der Kapelle zu einem kulturellen Treffort. Die Kirchengemeinde hatte alles wunderbar organisiert und vorbereitet. Wir wurden von einer kleinen Gruppe von helfenden Frauen so herzlich begrüßt! Sie hatten Stühle aufgebaut, die Mikroanlage vorbereitet, einen Pianisten für die Zwischenmusiken verpflichtet, einen Getränkestand organisiert und Programme gedruckt. Und da das Wetter schön war, oder es zumindest nicht regnen sollte, (was es auch fast nicht tat...) hatte man das Publikum vor die Kapelle platziert. So lasen wir im Freien, dicht an den blumengeschmückten Gräbern "Über Vergangenheit, Hoffnung und Aufbruch".

Jörg Hartung begann mit einer Einführung und seinem Gedicht "Über Vergäng-lichkeit". Cornelia Poser nahm die Zuhörer mit auf eine höchst ungewöhnliche Zugreise. "Im Speisewagen" hieß ihre Kurzgeschichte. Renate Folkers berichtete von einem "Grenzgänger" und trug ihr Gedicht "Schmetterlingsreigen" vor. Nach der Pause begann Wilhelm Stenzel mit zwei Gedichten "Vorausgedacht" und "Im Nachhinein". Ebenso kam sein Prosatext "Neunzig" zu Gehör. Karla Kühn las "Eine ungewöhnliche Liebes-geschichte" und Friedrich Pape trug neben zwei anderen Gedichten "Dem Ende entgegen" und "Ins Ungewisse" vor. Jörg Hartung entließ die Zuhören nach so vielen eher dunklen Gedanken zum Abschluss mit einer sehr humorvollen Geschichte: "Was Gott mit Eva im Paradies besprach".

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"Am Ende sind alle ziemlich tot..."

Es war die erste Lesung des Calenberger Autoren-kreises nach der langen erzwungenen Pause. Der Kunstkreis Laatzen öffnete am 20. Juni 2021 endlich wieder seine Türen für Lesungen und die Zuhörer kamen. Der schöne Galerieraum in der Hildesheimer Straße war (nach den immer noch vorgeschriebenen Bedingungen) mit 25 Zuhörern vollständig ausgebucht. Man mekrte allen Besuchern an, wie sehr sie sich darauf gefreut hatten, endlich wieder live Literatur erleben zu dürfen!

Die Kunstkreisleiterin Frau Gorbuschin eröffnete gut gelaunt, erlaubte sogar das Abnehmen der Masken am Platz und bedankte sich bei allen, die gekommen waren. Dann übergab sie das Mikrofon an Jörg Hartung, der in seiner überzeugenden und lockeren Art über das Leben des großen Dichters William Shakespeare berichtete - und natürlich über seine Werke, in denen es von Mordtaten nur so wimmelt. Allein in acht seiner Dramen gibt es zweiundfünfzig Tote. Was für eine Mordsquote! Dabei schießt das Drama Titus Andronicus mit zwölf Toten den Vogel ab! Und trotz all der Morde lebt der große Autor weiter: Zwanzig Jahre für die Ewigkeit… so überschrieb Georg Hensel in seinem „Spielplan“ das Kapitel über William Shakespeare.

Der Referent in Laatzen führte uns in die Welt des William Shakespeare, der zwischen 1590 und 1610, in London seine 38 Dramen schuf und damit die theatralische Sicht auf den Menschen, auf die Welt, auf das Leben umgestürzt und für alle Zeiten neu geprägt hat. Wir hörten Gesichertes und Nichtgesichertes über das Leben des Dichters, über den hochbegabten Schüler aus Stratford-upon-Avon, der (so Alfred Kerr) den Lateinunterricht schwänzte, mit 18 Jahren heiratete, nie eine Universität besuchte und aufblühte, als er 1590 nach London übersiedelte und sich dort ein Leben als Schauspieler, Dichter und Theaterbesitzer aufbaute, indem er 1599 das berühmte runde „Globe Theatre“ bauen ließ.

Er hatte nicht nur künstlerische Begabungen, sondern war dazu auch noch ein sehr guter Geschäftsmann. 1611 zog er wieder in seine Heimat und starb dort 1616 mit nur 52 Jahren, man weiß nicht genau woran. Er schenkte der Nachwelt nicht nur seine Dramen, sondern auch 154 Sonette, von denen eines, nach Aussage von Jörg Hartung, wohl 300 x ins Deutsch übersetzt worden ist, viele Literaten haben sich daran versucht. Wir hörten kurze Ausschnitte aus den Dramen, hielten uns etwas länger bei Macbeth auf und genossen den Vortrag einiger Sonette, sowohl auf Englisch, wie auch auf Deutsch. Der Nachmittag war kurzweilig und sehr spannend und machte Lust darauf, das ein oder andere Werk des großen Meisters doch selbst einmal (wieder) zu lesen.


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