Calenberger Autorenkreis

      

Jörg Hartung - Leseproben



Tanz der Elfen

Im Frühling tanzen die Elfen
So sorglos am Waldesrain
Und winken aus Nebelschleiern
Und laden uns lachend ein.

Im Sommer tanzen die Elfen
In flimmernder Sonnenglut
Und trinken in vollen Zügen
Der Liebe verzehrende Flut.

Im Herbste tanzen die Elfen
In wallendem Efeukleid
Und schauen fröstelnd herüber,
sie kennen der Reife Zeit.



Im Winter schweigen die Elfen,
der Waldesrain bleibt stumm,
das Lachen längst verflogen,
kalt treiben die Nebel um.

Tief unterm Eis am Grunde
ein Elfengesicht erscheint,
das endet der Kälte Schweigen,                    
bald sind wir im Tanze vereint.

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Herbst in der Toscana


Im falben Land,
im Rebenland,
schwarze Oliven vor gelber Wand,
im Garten, beim Haus auf dem Hügel.

Die Künstler malen im Herbste       
die letzte schimmernde Pracht.
Sie nutzen die lauen Tage,
beschwören der Sonne Macht.

Sie suchen die schönsten Farben,
der Trauben schweres Blau,
das Grün der Olivenbäume,
verwitterter Mauern Grau.

Sie schauen auf ferne Berge,
vom Arno steigt Nebel auf.
Die Gipfel verschwimmen in Wolken,
beenden der Sonne Lauf.

Sie wissen, es ist nicht mehr lange.
Die Tage sind schon so kurz.
Die Kälte kriecht von den Höhen.
Die Farben vergeh’n ohne Schutz.

Die Künstler malen den Abend,
der rasch in die Häuser sinkt.
Flackernd die Fenster noch leuchten
zur Hoffnung auf morgen bestimmt.

Im falben Land,
im Rebenland,
kahle Äste an gelblicher Wand,
im Schatten, beim Haus auf dem Hügel.

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Das Denkmal, aus der Chronik des Flecken Lindenau

Wenn man im östlichen Teil des Calenberger Landes unterwegs ist und dort von der Bundesstrasse abkommt, kann es passieren, dass man in ein kleines Dorf gelangt, das auf den schönen Namen Lindenau hört. Gleich an Ortseingang aus östlicher Richtung fällt ein etwas überdimensioniertes Denkmal ins Auge, das auf einer dreieckigen, großzügig gestalteten Grünfläche mit allerlei Blumenbeeten und edlem Gesträuch errichtet ist und die den Autofahrer zwingt, sich für die weiterführende Strasse nach links zu entscheiden oder den Weg in die Dorfmitte nach rechts zu nehmen. Das was auf den ersten Blick als eine Verkehrsberuhigungsmaßnahme daher zu kommen scheint, soll eine merkwürdige Geschichte haben, über die im Dorf nicht oder nur ungern gesprochen wird.

Die Straßen im Dorf sind sauber, meist ohne Trottoir und schlängeln sich durch die Ansammlung der locker verteilt stehenden Häuser, die sich unregelmäßig aber durchaus nicht störend am Fuße eines bewaldeten sanften Hügels verteilen. Ungewöhnlich für diese kleine Gemeinde erscheint lediglich das deutlich zu groß geratene Gemeindehaus älterer Bauart, mit Sitz des Ortsbürgermeisters, vielleicht noch aus dem tiefen 19. Jahrhundert, das sicher der Verwaltung einer Kleinstadt Raum geboten  hätte. Eine reich verzierte Fassade ließ in Hausmitte Platz für einen repräsentativen Freitreppenaufgang zu einer schweren Flügeltür, vor der sich ein großzügiger Antritt erstreckte, auf dem gut mehrere Personen stehend Platz hätten finden und nach unten auf den Vorplatz schauend und den etwaig dort versammelten Menschen winken können.

An einer Stelle des innerörtlichen Weges weist eine schon etwas verwitterte Holztafel auf eine oberhalb des Dorfes gelegene Quelle hin, dessen Wasser besonders heilende Kräfte von verschiedener Seite zugeschrieben wurden und auch heute insgeheim noch werden. Die Heilkräfte oder die Kräfte der darüber berichtenden Presse müssen aber wohl nicht so groß gewesen sein als das sich diese Kunde wesentlich weiter als in der Calenberger Umgebung verbreitet hätte. Von Zeit zu Zeit werden dennoch, bevorzugt bei Vollmond, Fremde beobachtet, die das Quellwasser in Glasflaschen abfüllen und kistenweise damit davon fahren. Auf Nachfrage eines Unerschrockenen, der allerdings unerkannt bleiben wollte, soll ihm etwas von linksdrehendem Wasser zugeraunt worden sein. Von den Einheimischen – außer Fuchs und Hase vielleicht - ist schon lange niemand mehr gesichtet worden, der aus dem Bächlein getrunken hätte, erfüllte dieser doch bis vor gar nicht allzu langer Zeit noch eine wichtige Funktion im Entsorgungsgeschehen der Gemeinde für bestimmte flüssige Abfälle.

Nun aber zurück zum Dorfeingang. Umweit des besagten Denkmals befindet sich ein kleiner Parkplatz, gleich neben der sehr gut erhaltenen Dorfkapelle und dem nicht kleinen Gebäude des Heimatmuseums, geradezu wie geschaffen, um dem Denkmal einen Besuch abzustatten. Die Inschrift ist zwar verwittert, aber noch gut lesbar. „William V. Papenheimer“ und darunter „in Anerkennung seiner Verdienste um Ort und Land“ und wieder darunter “Die dankbare Gemeinde“ und darunter „Bürgermeister und Gemeinderat Lindenau“. Das V. war nicht recht groß und auch nicht richtig klein geschrieben, so dass der Leser im Unklaren blieb, ob es sich um die etwas verunglückte Form der Andeutung einer üblichen Adelsbezeichnung oder schlicht um die Abkürzung eines Vornamens wie Viktor oder Valentin handelte. Bei dem Nachnamen dachte ich jedoch zunächst an einen kapitalen Schreibfehler. Müsste es nicht Pappenheimer heißen? Auch der Name William?. Was hat ein Engländer in dieser Gegend zu suchen. Aber auf einem im öffentlichen Raum errichteten Ehrenmal wird sich die Gemeinde doch keine Rechtschreibblöße gegeben haben. Außerdem sind Namen so wie sie sind oder bekanntlich auch Schall und Rauch oder eben genau so wie die früheren Stadtschreiber sie mit ihrer nicht immer sattelfesten Orthographie modifiziert haben.


(Jörg Hartung)