Calenberger Autorenkreis

      







Uwe Köster lebt in Laatzen, in der Region Hannover. Er war vor seiner Pensionierung als Kaufmann in der freien Wirtschaft tätig und wechselte später in der öffentlichen Dienst. Seit 1997 befindet er sich im sogenannten Unruhestand. Er begann mit fünfzig Jahren zu schreiben, vorzugsweise schreibt er dabei humorvolle und launige Gedichte, aber auch Kurzgeschichten, mit denen er die Zuhörer in unseren Lesungen erfreut. Aktuell bietet er Vorträge über das Leben und Werk von Eugen Roth und Joachim Ringelnatz an.



Sparen, sparen, über alles

Sparen ist das Gebot der Stunde. Schon unsere Altvorderen hatten dafür den Sparstrumpf oder das Kopfkissen und etwas modernere Leute, das Sparbuch. Der Begriff des Sparens, hat sich im Laufe der Jahre verändert. Heute geht es mehr darum, wie ich Produkte, Dienstleistungen und andere Dinge günstiger bekomme, als es die Preisauszeichnung vorgibt.

Eine besondere Sparaktion führten die Stromanbieter durch. Die redeten den Kunden ein, wenn sie ihre Glühlampen durch Sparlampen ersetzten, würden sich die Stromkosten senken. Nachdem der größte Teil der Kunden die Austauschaktion durchgeführt hatte, ging der Stromverbrauch zurück. Damit auch Umsatz und Gewinn der Stromanbieter. Diese erhöhten darauf die Preise, was jedoch kaum jemand merkte. Wie man sieht, eine besondere Sparaktion.

Ein anderes Beispiel: Ich gehe in ein Textilgeschäft, um mir einen Pullover zu kaufen. Der mir gefällt, ist auch noch ein günstiges Angebot. Er kostet nur 9,99 €. Wahrscheinlich kostet der Pullover nur 9,10 €. Da aber fast alle Preise mit 99 Cent enden, sehen 9,99 € eher wie ein Schnäppchen aus

Unser besonders sparsamer Freund fährt immer zu einer freien Tankstelle, weil die durchschnittlich 2 Cent billiger ist, als die Markentankstellen. Die Freie ist allerdings ca. 5 Km von seiner Wohnung entfernt. Wie groß da wohl die Ersparnis ist?

In letzter Zeit ist mir etwas eingefallen, auf das bisher wohl noch keiner gekommen ist: Ich könnte doch das Essen und das Trinken einstellen. Dann bin ich zwar irgendwann tot, aber was ich da gespart  habe  !!!

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Neues Gefährt

Herr Bockhoff hat sich ein neues Gefährt gekauft. Seinen fünfzehn Jahre alten Wagen hatte er verkauft. Einerseits verbrauchte dieser zehn Liter Superbenzin auf hundert Kilometer, andrerseits war in nächster Zeit mit größeren Reparaturen zu rechnen.

Sein neues Gefährt ist sehr umweltfreundlich. Es gibt weder einen Benzin-, noch einen Dieselmotor. Auch ein Elektromotor ist nicht mitgeliefert. Scheibenwischer fehlen Mangels einer vorhandenen Windschutzscheibe. Statt eines Lenkrades, gibt es zwei Haltegriffe. Neben dem Gaspedal fehlt auch der Tacho und die Fußbremse. Dafür sind zwei Feststellbremsen vorhanden. Die Ausstattung wird durch vier Räder, einen Notsitz und eine Gepäckablage vervollständigt.   Am nächsten Morgen traf Herr Bockhoff seinen Nachbarn Herrn Lehmeier. Oh, fragt dieser, eine neue Errungenschaft? Ja, sagt Herr Bockhoff, es geht nichts über einen guten Rollator.


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Drogen

Ich ging am Tag so für mich hin,
präzise, hatte nichts im Sinn.
Da stolperte, an einer Eiche,
ich plötzlich über eine Leiche.
In der steckt eine Nadelspitze,
mit einer leeren Einwegspritze.
Der Amtsarzt, von mir herbestellt,
hat Exitus dann festgestellt.
Drauf sprach der Hippokratesjünger,
dies Problem wird täglich schlimmer.
Nach meiner Kenntnis ist der Tote,
in diesem Jahr der Hundertzwote.

Das schlug mit kräftig auf den Magen.
Doch sollte man sich einmal fragen,
warum ein Mensch, ganz unbedrängt,
sich einfach an die Nadel hängt?
Ward` er den Eltern nicht gerecht,
macht er die Aufgaben zu schlecht?
Hat ihn der Chef zu sich beordert
und fühlt der Mensch sich überfordert?
Glaubt er sein Ego eingeengt,
weil alles nur auf Leistung drängt?

Kampf ist heute angesagt,
Individualismus nicht gefragt.
Nur der Starke kommt ans Geld,
Pech wer hinten runterfällt.
Wer`s nicht packt, ist selber Schuld,
keiner übt sich in Geduld.
Versager können wir nicht brauchen,
wie soll sonst der Schornstein rauchen.

Ich glaube, dass bei diesem Zwist,
Gott irgendwann mal sauer ist.


Moderne Unterhaltung

Frau Hoppe sitzt mit ihrer Schwester,
im Gasthaus Goldener Südwester.
Als Freundin Lore just erscheint,
ist das Trio nun vereint.
Doch was man hier am Tisch vermisst,
was sonst bei Frauen üblich ist,
kein Wort kommt über deren Lippen.
Sind beim Handy nur am Tippen.
Schreiben sich ganz ungeniert,
was letzte Woche so passiert.
Berichtet wird von Mann und Kind,
Wie quengelig die immer sind.
Die Schwiegereltern eine Plage,
nicht nur heute, alle Tage.
Die junge Witwe nebenan,
hat immer kurze Röcke an.
Und dann ihr Lippenstift o graus,
mit dem sieht sie ganz furchtbar aus.
Der Hausmeister lässt sich kaum blicken,
den sollte man in Rente schicken.
Der Briefzusteller, jung und zackig,
hat einen Hintern richtig knackig.
So geht das in dieser Runde,
nun schon in die dritte Stunde.
          
Plötzlich springt die Lore auf.
Vergaß sie doch den Blumenkauf.
Küsschen, Küsschen auf die Schnelle
und flitzt weg wie die Gazelle.
          
Die Hoppes die zurück geblieben,
sind unterhaltungsmäßig sehr zufrieden



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