Calenberger Autorenkreis

      

Uwe Köster - Leseproben


Abstiegsspiel

Ein knappes Jahr ist schon vergangen

Mit Hoffnung und mit sehr viel Bangen

Denn mein Club, der FC Wende

Seht nur am Tabellenende

Wird heut das letzte Spiel gewonnen

Wär er dem Abstieg doch entronnen

Es wird der Gegner recht geschickt

In die Liga zwei gekickt


Doch mit den geschickes Mächten

Ist selten mal ein Bund zu flechten

So kommt es, wie es kommen muss

Sehr zum Fußballclub Verdruss

Der FC schießt am Tor vorbei

Der Gegner aber, der schießt zwei

So muss der FC, nicht zu fassen,

Die Bundesliga glatt verlassen


Geboren, gelebt und gestorben

Der Dichter Eugen Roth schrieb in einem Gedicht: Ein Mensch erblickt das Licht der Welt. Wobei Welt eigentlich zu hoch gegriffen ist. Die Welt besteht aus vielen Planeten, nicht nur aus dem Planeten Erde. Im Sport zum Beispiel gibt es Weltmeister im Fußball, Handball, Eishockey usw. Eigentlich müsste es Erdmeister heißen.

Die Welt ist wohl größer, als wir Menschen es uns vermutlich vorstellen können. Da ist beispielweise eine Rakete zu einem weit entfernten Planeten geschossen worden. Die ihr Ziel nach zehn Jahren, ich wiederhole, nach zehn Jahren erreicht hat.

Doch bleiben wir auf der Erde. Da wird geboren, gelebt, gestorben. Wobei die Lebenszeit recht unterschiedlich lang sein kann. Die Eintagsfliege lebt nach dem Volksmund wohl die kürzeste Zeit. Manche Tierarten werden älter als hundert Jahre, was auch schon mal bei Menschen vorkommt. Die Menschheit lebt in der Regel zwischen null und hundert Jahren. Das Ableben erfolgt meistens durch Todgeburt, Krankheit, Suizid, Mord, Altersschwäche oder Kriege.

Nun ergibt sich die Frage, warum durchlaufen alle Lebewesen auf der Erde diesem Zyklus? Die Menschen glauben ja an etwas Höheres. Das kann sich Gott, Allah, Buddha oder sonst wie nennen. Auch von denen kommt nichts Konkretes.

In Anlehnung an ein Lied, gesungen von Hildegard Knef, kann man eigentlich nur sagen, die Antwort weiß wohl nur der Wind.

 

 

Die Fußball WM

Fußball gibt es jeden Tag,
egal, ob man den wirklich mag.
Mancher glaubt, ab 17.00 Uhr
beginnt in Deutschland die Kultur.
So werden Junge, wie die Alten,
vom wirklich Wichtigen abgehalten

Vier Wände

Der Grundstücksmakler Hempelmann
bietet neue Häuser an.
Der Mann spricht dabei, auch mit Händen,
von den eigenen vier Wänden.
Woher weiß der Makler grad,
dass mein Haus nur vier Wände hat.


Wahlheimat

Dem alten Wal, Gesicht sehr grau,
verstarb vor kurzem seine Frau.
Da ist er auf dem Meeresboden
in einen Tanker eingezogen
und sagte, ich möchte hier auf Erden
in meiner Wa(h)lheimat versterben.


Jubi-läum

Herr Jubi und Herr Läum
hatten beide eine Blähung
die Töne hatten das Niveau
der Trompeten von Jericho.
Die Menschen glaubten, sehr beklommen,
das Weltenende sei gekommen.


Circuselefant

Im Circus saß ein Elefant
ruhig am Manegenrand
und dachte, ich geh` hier dumm
immer nur im Kreise rum.
Da kann ich das Gehirn mal eben
der Garderobiere übergeben.


Controller

Der Controller ist ein Mann,
der rechnen, doch nicht denken kann.
Er rechnet aus, so gut er kann,
wie man Kosten sparen kann.
Um skrupellos dann zuzusehn,
wie Menschen vor die Hunde gehen.


Im Restaurant

Ein Jeder geht, ob Frau, ob Mann,
sehr gerne in ein Restaurant.
Bei manchen kann man wetten,
das Essen ist ein Hohn.
Je größer die Servietten,
je kleiner die Portion.


Zahnärztelied

Es tagte jüngst auf Helgoland
ein Zahnarzt-Regionalverband.
Es wurde heftig dort geklagt,
dass der Verband kein Liedgut hat.
Es wird bald in der Satzung stehn,
mit sieben Brücken sollst du gehen.


Gattung Mensch

Ich fuhr hinauf zur Kampenwand.
Holt dort mir einen Sonnenbrand.
Mich sah ein Ochs, der sprach zu sich:
Ich versteh die Menschen nicht.
Müssen die, ich kann`s nicht fassen,
sich wie ein Hähnchen braten lassen?
Dazu fällt mir nur noch ein:
Wie blöd muss diese Gattung sein?


Wanderbaustelle

Am Sonntag wollte ich mit andern,
einmal um den Rundsee wandern.
Als Partner fand ich, auf die Schnelle,
nur eine Wanderbaustelle.

Die sprach zu mir: „Ich geh` nicht mit.
Du hast so einen schnellen Schritt“.
So musste ich, ohn es zu wollen,
alleine durch die Landschaft trollen.

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Wer ist diese Frau?

Die Frau sah ich von weitem kommen.
Ihr Gesicht war noch verschwommen.
Begleitet, nur vom Sonnenschein,
trat sie in mein Häuschen ein.

Kam auf mich zu und küsste mich,
wobei sie meine Wangen strich.
Sie sagte leis`: „Mein lieber Mann“.
Und schaute liebevoll mich an.

„Das Krankenhaus, in Oberkochen                                                   entließ mich jetzt, nach vierzehn Wochen.
Die lange Trennung fiel mir schwer.
So freue ich mich umso mehr,
dass ich wieder bei dir bin“.

Die Worte haben mich erschreckt.
Ich hätt` mich gern vor ihr versteckt.
Sagt mir doch keiner ganz genau:
Wer ist denn nur diese Frau?


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In der Oper


  Gestern gab das Opernhaus
eine Oper von Herrn Strauss.
Nicht von Johann, der schrieb Tänze,
Richard schrieb das Werk in Gänze.
Dieses Stück von Aria(d)ne,
die für Naxos macht Reklame.

2   Im Parkette, ganz weit vorn,
saß Herr Doktor Pfefferkorn.
Neben ihm saß für viel Geld
aus Pattensen Herr Frankenfeld.
Der ersteigerte die Karte
beim Ball der Telegraphenwarte
.

3    Nun, langer Rede kurzer Sinn,
Alles schaut zum Vorhang hin.
Dort kommt lächelnd und erhaben
ein Befrackter aus dem Graben.
Verbeugt sich tief, dreht sich dann um
und fuchtelt mit `nem Stäbchen rum.


4    Worauf der Frankenfeld erschrickt,
dass der ihm in die Nase prickt.
Herr Pfefferkorn, der schaut dagegen
diesem Stück mit Ruh` entgegen.
Dann wird der Vorhang hochgehoben,
verschwindet in der Decke droben.


5    Auf der Bühne steht ein Mann.
Der fängt laut zu singen an.
Singt sehr hoch vom Komponieren.
Jeden Ton, den muß man spüren.
Er hoffe, dass sein Werk gelungen,
demnächst gespielt wird und gesungen.


6    Frankenfeld denkt sehr genau,
diesen Mann singt eine Frau.
Da erscheint genau zur Suppe
die engagierte Operntruppe.
Diese soll mit viel Vergnügen
den Herrn so richtig amüsieren.


7    Plötzlich kommt, das ist nicht wahr,
in`s Haus noch eine Schauspielschar.
Die hat der Herr auch engagiert,
recht ahnungslos, was dann passiert.
Sofort kommt Streit auf, sehr gezielt,
wer denn nun als erster spielt.


8    Nun erscheint ganz nebenbei
des Herren Haus- und Hoflakai.
Dieser spricht mit strenger Miene,
des Herren Wunsch sei doch Routine.
Der möcht’ die Truppen wunderschön
zusammen auf der Bühne seh`n.


9   Der Vorhang senkt sich, es ist Pause.
Die ersten Leute geh`n nach Hause.
Der Rest stürzt sich auf das Büffee,
trinkt dazu Sekt, Bier, etc.
Pfefferkorn sitzt in der Ecken
und isst zum Sekt diverse Schnecken.


10   Frankenfeld, o Schreck, o Graus,
packt mitgebrachte Brote aus.
Als er sich dazu Bier einfüllt,
bereits die Pausenklingel schellt.
So muss er dann, ist das zu fassen,
das halbe Bier noch stehen lassen.


11   Alle geh`n zu ihren Plätzen,
haben kaum noch Zeit zum setzen.
Denn schon geh`n alle Lichter aus
und der Befrackte kommt heraus.
Dann wird der Vorhang hochgezogen.
Das Bühnenbild, daß muß man loben,


12   denkt Pfefferkorn in dem Parkette.
Und Frankenfeld meint, jede Wette,
die jetzt auf dieser Bühne steh`n,
war`n vor der Pause nicht zu seh`n.
Die Bauten sind mir doch bekannt.
Das Stück spielt jetzt in Griechenland.


13   Drei Frauen singen sehr getragen,
der vierten schlägt es auf den Magen.
Dann treten noch drei Männer auf.
So nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Die vierte will sich, ganz in Trauer,
hinunterstürzen von der Mauer


14 Ihr Kerl hat sie,kann man das fassen,
auf einer Insel sitzen lassen.
Deswegen trösten die drei Frauen
die vierte, sie soll doch mal schauen,
es gäbe ja nicht nur den einen,
mag es im Leben auch so scheinen.


15   Die Welt ist voll von diesen Knaben
und davon sind genug zu haben.
Da legt an dieser Insel an
ein Schiff mit einem schönen Mann.
So kommt es, wie es kommen muss,
denn meistens ist es so am Schluss:


16   Sie kriegt ihn und er kriegt sie.
So spielt die Lebensmelodie.
Bevor er sie auf`s Lager hebt,
der Vorhang sanft herunter schwebt.
Das Licht geht an wie schon zur Pause.
Der Rest der Leute geht nach Hause.


(Uwe Köster)


17   Pefferkorn ruft freudig aus:
Danke, danke, Meister Strauss.
Dieses Werk, wenn`s dich nicht stört,
hab ich jetzt fünfzig Mal gehört.
Frankenfeld meint unumwunden:
Das war mit viel Geräusch verbunden.